Kultur : Hitparade: The Notwist: "Neon Golden"

Ralph Geisenhanslüke

Eine deutsche Band, die für Mainstream-Ohren eher sperrig klingt, ist letzte Woche von null auf zehn in die Album-Charts eingestiegen. Eine Band, die Streichinstrumente, Dobro-Gitarren und Röhrenverstärker benutzt. Auch wenn sie in der zweiten Woche auf 21 gefallen ist, stellt sich die Frage: Werden jetzt die feuchten Träume aller "Spex"-Leser wahr?

Die Geschichte von The Notwist beginnt am Ammersee bei München. Drei Freunde gründen dort eine Band, und weil ihre Heimatstadt Weilheim abseits aller Trends liegt, kann ihr kreatives Potential in Ruhe fermentieren. Das Ergebnis: solider Gitarrenbeat, mehrere Alben, begeistertes Live-Publikum. Vor fünf Jahren kam der Elektroniker Martin Gretschmann hinzu, bekannt unter dem Künstlernamen console. Mit ihm feilen sie an einer Synthese aus flauschigen Gitarren und knuspernden Computergeräuschen. Eine mutige Entwicklung vom melancholischen Schrammel-Rock zu detailverliebt schimmerndem Elektro-Folk mit Jazz- und Dub-Elementen. Inspirationen wie Michael Nyman oder das Penguin Café Orchestra klingen an, aber eben nur an. Diese Band klingt nicht wie andere - erst recht nicht wie Pur oder Grönemeyer.

Schon das letzte Album "Shrink" schaffte es in die Top 50. Man nannte es das Wunder von Weilheim. Nun, das ist hier ist dann die Marienerscheinung. Eine Platte, auf der schnurpselnde Lautmalereien und Songwriting lässig zusammenkommen. Die Konsensplatte für den Frühling.

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