Kultur : Hoch die Tatzen!

Die guten, alterslosen „Cats“ tanzen jetzt am Potsdamer Platz

Frederik Hanssen

Fast ist man versucht zu sagen, dass sich „Cats“ langsam zu einer modernen „Zauberflöte“ entwickelt: Nicht nur, weil Andrew Lloyd Webbers Megahit seit 1981 im Marktsegment Unterhaltungstheater bei den Aufführungs- und Auslastungszahlen ebenso auf einen Spitzenplatz abonniert ist wie Mozarts Zauberoper im Bereich Musiktheater. Nicht nur, weil sich beide Werke für allseits erheiternde Familienausflüge eignen, bei denen sich jeder von der Bühne das abschaut, was ihm Spaß macht. Sondern eben auch, weil „Cats“ tatsächlich zu den Stücken gehört, die man in Abständen immer wieder gerne sieht. Derzeit vielleicht sogar noch lieber als vor ein paar Jahren. Wegen des 80er-JahreCharmes der Ausstattung: Die Stulpen und Pulswärmer, die Leggings und Popper-Schuhe mit Kreppsohle berühren sich gerade mal wieder mit aktuellen Modezuckungen.

Ein gravierender Unterschied allerdings trennt die „Zauberflöte“ von „Cats“: Während die Geschichte von Papageno, Tamino und Co. ihre Größe dadurch beweist, dass sie sich unendlich oft neu interpretieren lässt, bleibt die kätzische Hinterhofstory immer gleich, ob in Toronto oder Singapur, Buenos Aires, Blackpool oder Helsinki. Auch wer 1987 beim Gastspiel der Wiener Produktion in Ost-Berlin dabei sein durfte, wird jetzt am Potsdamer Platz alles noch so vorfinden wie damals. Die Stage Holding lockt sogar waschmittelwerbungsmäßig damit, dass diese „Cats“ die echtesten seit der Uraufführung seien. Wo genau allerdings die Unterschiede liegen, werden allein altgediente Fans entschlüsseln.

Höchst professionell gemacht ist die Berliner Produktion auf jeden Fall: Die 22 Darsteller präsentieren sich nicht nur optisch und gestisch virtuos auf Vierpföter getrimmt, sie fetzen auch mit einer Power über die Bühne, dass einem vom bloßen Zuschauen die Puste wegbleibt. Aus dem perfekt aufeinander eingespielten Ensemble einen Namen herauszugreifen, ist eigentlich ungerecht – doch Benjamin Tyrrell ist als magischer Mr.Mistoffelees einfach umwerfend.

So angenehm dem von heutiger MTV-Ästhetik konditionierten Besucher übrigens auffällt, wie lange actionfreie Passagen man sich 1981 zwischendurch mal erlauben konnte, bleibt „Cats“ doch vor allem eine rasante Tanzshow, die rund um den doch schon etwas angegrauten Hit „Memories“ richtig guten, rockig angeschärften Big-Band-Sound zu bieten hat.

Also der reine Katzenjubel? Nun ja, dass die billigsten Tickets 24 Euro kosten, ist hart. Wer das nicht investieren mag, dem bleibt zum Glück ja immer noch die staatlich subventionierte„Zauberflöte“(inder Komischen Oper ab acht Euro).

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