Kultur : Hochfliegende Träume

ULRICH AMLING

Brandenburg an der Havel: Doppelstadt zwischen den Flußarmen, Wiege der Kultur in der Mark Brandenburg, erste Station der Brandenburgischen Sommerkonzerte 1999. Der von Baugerüsten umstellte Dom St. Peter und Paul dient als Konzertsaal für die "Klassiker auf Landpartie" - ein schicksalhafter Bau: Mit hochaufragenden gotischen Gewölben auf schwachen Fundamenten zur Basilika umgestaltet, drohte jahrhundertlang immer wieder der Einsturz. Hochfliegende Träume gebaut auf märkisches Sumpfland - auch ein Sinnbild für den Brandenburger Konzertnachmittag. Bachs Fantasie g-moll löste sich noch schwebend aus den Pfeifen der restaurierten Wagner-Orgel, durchmaß das Kirchenschiff, störte sich nicht an engen Sitzverhältnissen ohne freie Sicht, ließ sich nicht durch das Fernseh-Flutlicht blenden und blieb unbeeindruckt von tontechnischer Unbill. Ein später Triumph der Orgelbaukunst des Bach-Zeitgenossen Joachim Wagner und der sorgfältigen Instandsetzung im Dom zu Brandenburg, ein Triumph auch über das folgende, Goethe gewidmete Programm. Zum Blick nach Weimar hatten die Veranstalter mit Deutschem Symphonie-Orchester und Rundfunkchor Berlin Spitzenensembles eingeladen. Doch während das Orgelspiel alle akustischen Hürden übersprang, blieb der Orchesterklang im Dom stecken, waberte pelzig zwischen den Säulen. Paolo Carignani, designierter Musikchef der Frankfurter Oper, wählte bei Schubert, Liszt, Strauss und Beethoven durchweg ein zu süffiges Klangbild für den heiklen, hohen Raum. Sicher, das dramatische Klagen zu Beginn der "Egmont"-Ouvertüre löste Frösteln aus. Doch das anschließende Aufbegehren, die Überschreitung der Grenze entfiel. Er ist schon ein schicksalhafter Bau - der Dom zu Brandenburg.

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