Kultur : Hochhuths „Stellvertreter“-Krieg geht weiter

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Fast genau vor 40 Jahren wurde in Berlin Rolf Hochhuths Stück „Der Stellvertreter“ uraufgeführt, das das Schweigen Papst Pius XII. zum Holocaust anprangerte. Der Vatikan hatte damals empört auf die im Stück erhobenen Vorwüfe reagiert und versucht, sich zu rechtfertigen. Zugleich hatte er Hochhuth schlampige Recherchen vorgeworfen. Noch heute spricht der Präsident der päpstlichen Historikerkommission, Walter Brandmüller, im Hinblick auf das Theaterstück von einer „infam zu nennenden Kampagne“.

Jetzt hat der Vatikan die Archive bis 1939 geöffnet, die das Verhältnis zu NaziDeutschland dokumentieren sollen. Zwar werden hier sechs Jahre vor der üblichen Frist nach Ablauf eines Pontifikats die Dokumente zugänglich gemacht. Doch Hochhuth hat nun wiederum den Vatikan kritisiert – da die tatsächlich zugänglichen Dokumente nur bis zum Kriegsausbruch am 1. September 1939 reichen. Es sei ein unzulänglicher Versuch, „den Vorwurf, den die Geschichte dem Vatikan machen wird, vom Tisch zu fegen, nämlich zum größten Holocaust in der europäischen Geschichte geschwiegen zu haben“. Der Dramatiker erneuerte seinen Vorwurf, dass der Papst über den Massenmord an den Juden gut informiert gewesen sei, nicht zuletzt durch die polnische Priesterschaft. Hochhuths „Stellvertreter“ wurde zuletzt am Berliner Ensemble inszeniert. Gegen das Poster zu Costa-Gavras Verfilmung, das Hakenkreuz und Kreuz verband, hatte sich der Vatikan zur Wehr gesetzt. dpa

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