Kultur : Höhenluft

Rattle & Barenboim bei den Berliner Philharmonikern

Sybill Mahlke

Ein Gipfeltreffen, das der Kunst gilt, ist an drei Tagen in der Philharmonie ausverkauft: ein berlinisches, sehr harmonisches Höhentreffen, der Chefdirigent der Philharmoniker begegnet auf dem Podium dem Chef der Staatskapelle. Simon Rattle meets Daniel Barenboim – als Solist. Und die Berliner Philharmoniker mit Rattle sind ihm bei der Gestaltung des B-Dur-Klavierkonzerts von Brahms die aufmerksamsten Dialogpartner. Obwohl das Schweißtüchlein Barenboims an diesem schwülen ersten Abend optisch eine Hauptrolle spielt, präsentiert er sich in auftrumpfender pianistischer Form. Am schönsten gelingen jedoch die vielen(!) dolce-Partien der Partitur, besonders wenn das Orchester mit dem Solocello Ludwig Quandts den Pianisten in die Gefilde der Innerlichkeit begleitet.

„Nütze die Jugend nicht, denn sie vergeht“: So spricht Anna I, die praktische, vernünftige, zu ihrer Schwester Anna II, die schön ist. Es geht um die bittere Parabel „Die sieben Todsünden“ von Brecht. In der Einspielung mit Lotte Lenya, der zarten, aggressiven Stimme, geht kein Wort dieser Verse verloren. Bei Angelika Kirchschlager wird eher ein lyrisches Minidrama daraus. Song, Walzer, „Dienstmädchenlied“ in der Musik Weills geraten milder und nicht immer textverständlich. Die Philharmoniker zelebrieren die rhythmischen Energien – ein bisschen Edelsalon auch. Sybill Mahlke

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