Kultur : Höher, schneller, weiter

GREGOR DOTZAUER

Über Jazzrock wird man bis in alle Ewigkeit mit den gleichen Argumenten streiten. Daß er eine Musik ohne Seele sei (was so nicht stimmt). Daß er seit einem Vierteljahrhundert stilistisch nicht vorwärts kommt (was wohl wahr ist). Oder daß es sich bei ihm nur um eine andere Form von Sport handelt, die wie Bungeespringen, Riverrafting und Freeclimbing dem Höher-Schneller-Weiter verpflichtet ist (was erstens interessant sein kann und zweitens das sozusagen Spirituelle daran ignoriert). Die Wahrheit ist banal: Entweder macht einen dieser elektrifizierte Hochenergie-Jazz an, den die Dave Weckl Band jetzt im Quasimodo spielte, oder man langweilt sich. Dann muß man es vielleicht mit Hochgeschwindigkeits-Metal versuchen, der auch nichts anderes will, als die Leute in die Ecke zu spielen. Die Band um den Superdrummer, der unter Chick Corea Weltruhm erlangte, ist vieles - nur keine Band. Auf dem neuen Album "Synergy" mag man nicht gleich hören, wie sich da fünf amerikanische Jungs ziemlich autistisch die Licks um die Ohren hauen, die sie sich in langen Jahren draufgeschafft haben. Live aber zerfallen sie in eine Ansammlung von austauschbaren Solisten - wäre da nicht ihr Leader Weckl, der selbst dem ödesten Genudel (von Keyboarder Jay Oliver oder Bassist Tom Kennedy) und den größten kompositorischen Klischees ein vertracktes Powerplay unterlegt, das jeden Funkrhythmus aufbricht. Dagegen wirkt auch der Inbegriff eines Fusion-Schlagzeugers wie Billy Cobham alt. Dave Weckl ist auf dem neuesten Stand - übrigens auch elektronisch. Adresse: www.daveweckl.com .

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