Kultur : Höllisch heiß

DUB

Volker Lüke

Die Tradition des Dub-Reggae und die neuesten technischen Möglichkeiten bestimmen den Sound: schwerer Beat, ein Bassmotiv, das sich durch die Songs schleppt, losgelassen vom legendären On-U-Sound-Produzenten Adrian Sherwood , der endlose Rhythmus-Schleifen in die Universal Hall schickt. Die ideale Einstimmung für den Auftritt der Asian Dub Foundation aus London, deren Musik von dem Drang lebt, die Spielweise des Dub-Reggae auf das Energielevel von Hardcorepunk zu bringen. Dabei schaffen sie es nicht nur einen Schrankkoffer voller Sounds aus der Heimat ihrer indisch-pakistanischen Großeltern unterzubringen – den Puls der Tabla, die Stimme von Nusrat Fateh Ali Khan – sondern auch einen Haufen sozio-kultureller Statements zu platzieren („Kein Mensch ist illegal!“).

Wie aufgezogene Puppen hüpfen die sieben Musiker über die Bühne, mixen Reggae und Bhangra mit Punkrock und HipHop-Elementen zu einer explosiven Mischung. Die Gitarre sägt metallisch zum mächtigen Beat der indischen „Dhon“-Trommel, tief brummelt der Bass, ein DJ kümmert sich um Samples und Live-Scratching, zwei Rapper plappern ihre Hochgeschwindigkeitsreime. Die Elemente verzahnen sich zu einem rhythmischen Inferno, und die Foundation schafft es mit ihrer Spiellust – auch wenn einiges vom Nuancenreichtum ihrer CDs der Bühnentechnik zum Opfer fällt – den Spannungsbogen aufrechzuhalten, bis es im proppevollen Saal so heiß und stickig ist, dass man sein rechtes Tanzbein für einen Wasserwerfereinsatz geben würde. Am Schluss noch ein kurzes Irak-Statement: „We Want No War!“ Stattdessen: „Peace, Love and Dub!“. Yo, Man.

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