Kultur : Hörbar gut

Das „Ultraschall“-Festival setzt auf moderne Klassiker

Ulrich Pollmann

Ob das wohl Giacinto Scelsi begeistert hätte? Beim diesjährigen Berliner „Ultraschall“-Musikfestival von RBB und Deutschlandradio wird er mit Karlheinz Stockhausen als altmeisterliches Doppelgespann präsentiert. Zu Lebzeiten hat der 1988 verstorbene sehr konservative italienische Aristokrat jedenfalls, auf Stockhausen angesprochen, darauf hingewiesen, dass dieser in Italien von den Gewerkschaften und der kommunistischen Partei gefördert werde. Aber sei’s drum, der sagenumwobene Einzelkämpfer Scelsi, der seine eigentümlich um Ton und Klang kreisende Musik als Improvisationen aufgenommen hat, dann die Notation aber Assistenten überließ, ist allemal ein lohnender Einstieg für „Ultraschall“. Neben Konzerten bietet das Festival am ersten Wochenende ein Symposium zu Scelsi mit vielfältigen Einblicken in seine Arbeit, auch ein Film über seine Kindheit ist erstmalig zu sehen.

Und Rainer Pöllmann vom Deutschland Radio Kultur sieht die Zeit reif für eine Neubetrachtung Scelsis. Gerade in Deutschland wurde er als antiserielle Kultfigur vereinnahmt, oft aber auch als pseudomystizistischer Scharlatan verunglimpft. Mal sehen, was übrig bleibt, jetzt, wo sich die Wogen geglättet haben. Dem jüngst verstorbenen Stockhausen hingegen wird wohl keiner den Status eines der innovativsten Komponisten unserer Zeit absprechen. Margarete Zander vom RBB, die 2007 die Stockhausen-Kurse in Kürten besucht hat, schwärmt vor allem für sein letztes Werk, das Tonbandstück „Cosmic Pulses“, das vor einem halben Jahr in Rom triumphal uraufgeführt wurde. Und nun erstmals in Berlin zu hören ist. Ein Vortrag und Filme zu Stockhausen ergänzen die Konzerte.

Neben diesen Rückblicken auf die glorreichen Tage der klassischen Avantgarde gibt es natürlich viel Neues zu hören, beispielsweise drei Auftragswerke, die mit Bezug zu Scelsi vergeben wurden. Aber auch im zehnten Jahr seines Bestehens begreift sich „Ultraschall“ nicht als Uraufführungsfestival, präsentiert werden bevorzugt Stücke, die schon erfolgreich gespielt wurden, wie ein Flötenkonzert von Matthias Pintscher oder Werke von Haas, Mundry oder Carter. Und man ist zufrieden mit der Entwicklung dieses Festivals, das ist den beiden Leitern anzusehen. Stabile Besucherzahlen, schöne Aufführungsorte wie die Sophiensaele und vor allem das neue Radialsystem und eine prächtige Auswahl von Topensembles lassen Ultraschall allmählich zu einem Festival von internationalem Rang werden. Das allerdings auch das Lokale pflegt: Neben dem DSO wird das RSB wie gewohnt auftreten und auch das Kammerensemble Neue Musik aus Berlin ist mit von der Partie. Ulrich Pollmann

Ultraschall Festival: 18.–27. Januar. Infos: www.dradio.de und www.rbb-online.de sowie Tel. 97993333 oder 85035645.

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