Hörbuch-Comic : Ein Retter für Berlin

Ein deutscher Superheld? Geht das? Und ob. Der "Turmspringer" rückt - ganz nach dem Vorbild seiner amerikanischen Kollegen - Übeltätern im Großstadt-Dschungel Berlin zu Leibe. Kein gewöhnlicher Comic, sondern Augen- und Ohrenschmaus in einem. Von Bertram Küster

Berlin - Superhelden sind eine uramerikanische Angelegenheit. Als Teil der Alltagskultur zieren Superman und Co. seit diesem Sommer in den USA sogar schon Briefmarken. Dass eine Figur wie Spiderman mitten durch Manhattan turnt - für Comic-Fans eine Selbstverständlichkeit. In Europa sieht das anders aus. Berlin als Tummelplatz für allmächtige Gestalten? Keine Chance. Die letzten wahren Comic-Helden aus deutschen Landen hießen Sigurd, Falk oder Tibor und durften in den 50er und 60er Jahren ihre Taten vollbringen. Seither besitzen heimische Comic-Figuren typischerweise Knollennasen ("Werner"), kranken an chronischem Masochismus ("kleines Arschloch") oder kommen gleich als pöbelnde Schweine daher ("Didi & Stulle").

Doch Rettung naht. In dem animierten Multimedia-Comic "Turmspringer" sorgt sich ein Held namens Konrat um das Gemeinwohl der Hauptstadt. Der Bombenspezialist hat nach einem Unfall "maximale Empathie" erlangt und nimmt so Gefühlsregungen in seinem Umfeld stärker wahr als normale Menschen. Als Turmspringer verfügt er zudem über herausragende athletische Fähigkeiten. Ganz nach dem Vorbild seiner amerikanischen Vorbilder setzt er seine Kräfte zum Wohl seiner Mitbürger ein. Als ein Terror-Anschlag mit einer Mini-Atombombe im Berliner Dom droht, wird Held Konrat erstmals auf eine Bewährungsprobe gestellt.

Der große Unbekannte

Nicht nur die Idee, einen Superhelden in Deutschland zu etablieren, ist ungewöhnlich. Der "Turmspringer" glänzt auch mit einer zeitgemäßen Präsentation, die seine Macher "Eye-Listen-Book" nennen. Dahinter verbirgt sich ein animierter Comic, der mit einem aufwendigen Sounddesign und einer erstklassigen Synchronisation aufwartet (unter anderen ist die deutsche Stimme von Samuel L. Jackson zu hören). Aber auch die Zeichnungen von Ezra Tsegaye können es ohne Weiteres mit internationalen Produktionen aufnehmen. Einen ersten Achtungserfolg erlangte der Comic des Autors Sebastian Kühne bereits. Von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden erhielt "Turmspringer 01" das Prädikat "wertvoll".

Die rund 20 Minuten der ersten Folge verraten noch nicht viel über den Protagonisten. Der Prolog weist aber schon viele Elemente klassischer Superhelden-Geschichten auf. Die obligatorische Herkunftsgeschichte des Helden wird kurz angerissen, Konrats Liebesleben kommt mit der neu erlangten Verantwortung in Konflikt und am Ende organisiert sich der Held sogar noch einen Sidekick, der ihn wohl künftig im Kampf gegen das Böse dieser Welt unterstützen wird. Das Konzept geht auf: Berlin als Handlungsort ist zu keinem Zeitpunkt unglaubwürdig, sondern erscheint als natürliche Großstadt-Kulisse. Der Thriller steuert mit zunehmendem Tempo auf den Showdown im Berliner Dom zu. Am Ende verabschiedet sich Konrat mit einem Sprung in die Spree, die Neugier auf den unbekannten Superhelden ist geweckt. Fortsetzung folgt - zum Glück.

Am besten eignet sich der nur im Internet erhältliche Film für Handheld-Geräte wie den IPod, PDAs und auch Handys. Ein Trailer von "Turmspringer 01" wird unter der Internet-Adresse www.xf71.com kostenlos zum Download angeboten. Der komplette Film kostet 5,99 Euro. ()

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