Kultur : HÖRBUCH

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H.G. WELLS: THE WAR OF THE WORLDS Regie: Orson Welles. (engl. OV, 58 Min. München 2005. Der Hörverlag)

Der 30. Oktober 1938 war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der USA. Er begann harmlos mit News und Wetterbericht, dann schreckte eine sonore Nachrichtenstimme die Amerikaner an ihren Rundfunkgeräten auf: Astronomen in Chicago hätten seltsame Explosionen auf dem Mars beobachtet. Eine „Sondermeldung“ ließ den Radiohörern die Haare zu Berge stehen: Ein riesiger, flammender Flugkörper sei soeben auf einem Farmgelände in New Jersey eingeschlagen.

Danach überstürzen sich die Ereignisse: Schaulustige versammeln sich an der Absturzstelle, Experten geben Interviews, nach einigen Minuten gerät der Korrespondent der eilig installierten LiveSchaltung außer sich: Das sei „das Entsetzlichste, das ich je gesehen habe“. Der Flugkörper öffnet sich und – Marsmenschen kommen heraus.

Das Hörspiel „The War of the Worlds“, inszeniert vom erst 24-jährigen Regisseur Orson Welles, ist wohl das erste Reality-Stück des heraufziehenden Medienzeitalters. Noch heute klingt das englische Original, zu Steven Spielbergs Neuverfilmung wieder auf CD erschienen, erstaunlich modern. Damals saßen sechs Millionen Hörer atemlos vor den Rundfunkgeräten, geschätzte zwei Millionen von ihnen nahmen das „Mercury Theatre on Air“ nach H.G. Wells’ Romanvorlage von 1898 für bare Münze, weil sie den anfänglichen Hinweis auf das Hörspiel verpasst hatten.

Während im Radio die Hitzestrahlen der Marsmenschen die USA verwüsteten, brach im realen Amerika eine beispiellose Massenpanik aus. Menschen flohen aus den Städten, plünderten Geschäfte, die Nationalgarde rückte aus, eine Frau nahm sich aus Angst vor einer Vergewaltigung durch Außerirdische das Leben. Regisseur Orson Welles gab später nüchtern zu Protokoll, er habe die Zahl der Spinner in Amerika offenbar unterschätzt. Folgerichtig landete er nicht im Gefängnis – sondern in Hollywood. mro

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