HÖREN : Blatthühnchen mit sieben Saiten

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Der Weg ist nicht weit von der Musik zu unseren gefiederten Freunden, den Vögeln, also von der Maultrommel zur Rohrdommel, der Busine zur Bekassine oder der Langhalslaute zum Schlangenhalsvogel. Wahrscheinlich ein Ergebnis der Tatsache, dass die wahren Musikanten auf dieser Erde die Vögel sind. Übrigens ist die Bekassine der Vogel des Jahres 2013, während die türkische Langhalslaute eben vom Landesmusikrat zum Instrument des Jahres ernannt worden ist. In ihrer angestammten Heimat trägt diese besondere Laute einen wohlklingenden Originalnamen, der fast schon wieder ornithologisch ausgreifen, nämlich an das Blatthühnchen alias Jacana denken lässt: Die Rede ist natürlich von der sechs- oder siebensaitigen Bazlama, die seit den 60er Jahren eine steile Karriere gemacht hat vom schlichten Begleitinstrument zu einem, auf dem sich aufsehenerregend virtuose Musik spielen lässt. Rund 5000 türkischstämmige Berliner spielen Bazlama, längst kann man das Instrument an der Musikschule lernen oder damit beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ antreten. Nun hat sich die 1985 geborene Komponistin Sinem Altan, die zuletzt mit einem Auftragswerk für das Theater an der Wien auf sich aufmerksam gemacht hat, auf das Abenteuer eingelassen, ein Konzert für Bazlama und Orchester zu schreiben, die feine Mikrotonalität der Bazlama also mit der klar geschnittenen Halb- und Ganztönigkeit des westlichen Tonsystems zu vereinen und dem Zirpen und Zwitschern der Laute dabei den dunklen Grund von Bassklarinette, Kontrafagott und Basstuba beizugeben. Am Donnerstag wird das neue Stück west-östlicher Musik durch den Bazlama-Virtuosen Özgür Ersoy und das Landesjugendorchester Berlin unter Johannes Klumpp im Konzerthaus uraufgeführt. An einem Abend, der den Protestierenden im Istanbuler Gezi-Park gewidmet ist.

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