HÖREN : Bögen und Schlegel für alle

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Zu Besuch in der Klangwerkstatt in Prenzlauer Berg, mit einer Kitagruppe aus der Nachbarschaft. Und erst nach telefonischer Voranmeldung (deutz-klangwerkstatt.de). Im Ausstellungsraum liegt ein heller Teppich, es duftet nach Holz und feinen Ölen. Diese Werkstatt ist nicht für Virtuosen gedacht, hier werden therapeutische Instrumente gebaut und solche für eine Musikerziehung ohne Leistungsanspruch: Monochorde also, einfache Melodieinstrumente oder Klangliegen, die an der Rückseite mit Dutzenden Saiten bespannt sind. Immer wieder finden auch Kurse zum Bau von Instrumenten statt. „Macht mal die Augen zu“, sagt nun der Pädagoge und Instrumentenbauer Bernhard Deutz zu den Kindern. Er greift in die Saiten seiner Klangliege; sie sind gleichtönig gestimmt, so dass sich im Nu das Obertonspektrum öffnet. Die Töne sprudeln und scheinen zugleich in alle Richtungen auszuschweifen. Deutz erklärt, dass man über die vielen gleichen Saiten mit ihren Obertönen „in das Innere eines Tones“ hineinspüren könne.

Danach dürfen auch die Kinder auf die Klangliege. Doch sie rollen umher und zerren mit den Fingern am Saitenfeld, egal, wie begütigend die Erzieher auf sie einreden, egal, wie sehr Deutz dazu einlädt, zu spüren, wie der eigene Körper in Schwingung versetzt wird. Als Nächstes kniet sich die Truppe an einen langen Mehrsaiter mit Bambuskorpus, den Deutz auf den Boden gelegt hat. Bögen und Schlegel für alle, und ein in sich stimmiges, ganz von selbst wohlklingendes Instrument. Plötzlich zieht Ruhe ein, bauscht sich ein feines Klanggeschehen auf: Die Jungen an den Enden des Streichrohres lassen ihre Bögen über die Saiten gleiten, die anderen klopfen mit Schlegeln, je sanfter, desto besser. Nach wenigen Augenblicken ist es vorbei mit der schönen Eintracht. Kratzen, Drücken, Ungeduld – Musikmachen ist gar nicht so leicht.

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