HÖREN : Fast oben

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Es gibt sie noch, die guten Dinge – Konzertabende in der oberen Etage des Bechstein-Hauses im Stilwerk in der Kantstraße, in Gestalt unauffälliger, fast geheimer Zusammenkünfte. Bewährt an diesen Abenden ist die pädagogisch-soziologische Gemengelage. Wer sich hier einfindet, um ein neues Talent zu hören (am Freitag spielt die in Monaco aufgewachsene Shani Diluka, zu deren Förderinnen die große Martha Argerich zählt), gehört nicht selten auch selbst zum inneren Kreis einer weitläufigen Klavier-Familie mit einem wichtigen Lehrer oder einer Lehrerin an der Spitze und vielen Schülern und Enkelschülern, ist also auch in der Lage, den Rang eines Klavier-Clans blitzschnell mit dem eines anderen Clans abzugleichen: Wer hat bei wem gelernt, wer hat mehr Wettbewerbssiege vorzuweisen, wer spielt die wichtigeren ersten Konzerte? Meist stehen die Künstler – so auch Shani Diluka – kurz vor ihrem Durchbruch, haben bereits wichtige Stationen gemeistert; wenn es dann doch nicht funktionieren sollte mit der ganz großen Karriere, können sie sich immer noch sagen, dass sie es aufs Podium im Bechstein-Haus geschafft haben – mitten hinein in die Höhle des Löwen, vor das gut informierte Kollegenpublikum.

Zum Guten und auf geradezu liebenswürdige Weise Bewährten dieser Abende gehört unterdessen auch, dass sie fast stets dem traditionellen, klassisch-romantischen Repertoire des langen 19. Jahrhunderts verpflichtet bleiben: Gespielt wird also nicht Couperin (zu alt) oder Stockhausen (zu neu), sondern eher Beethoven und Schumann, Liszt, Rachmaninov oder Ravel. Auch bei diesem Konzertabend also, bei dem gleich drei Klassiker der Klaviermusik zu hören sind: Shani Diluka spielt Beethovens „Appassionata“, Schumanns „Papillons“ und Schuberts B-Dur- Sonate D 960.

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