HÖREN : Geist und Sinnlichkeit

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Kurz vor Weihnachten kann man in die Kirche gehen und geistliche Werke hören – oder sich im Konzertsaal besonders innig ins Musikhören versenken. Die schöne dialektische Volte, die zu beiden Darreichungsformen gehört, besteht darin, dass gerade die säkularen Werke in diesen Tagen nur von Licht, Läuterung und Vergeistigung zu sprechen scheinen, wohingegen die geistlichen Kompositionen oft mit einem sehr weltlichen Glanz überzogen sind. Zwischen diesen beiden Extremen aber, die in Wirklichkeit doch gar keine sind, gibt es selbstverständlich viele weitere gangbare Wege.

Einen davon bietet das Radialsystem mit einer Aufführung von Olivier Messiaens „Vingt regards sur l’enfant-Jésus“ an, zwanzig auskomponierten Blicken auf das Christuskind: Die Mutter schaut, der Vater schaut, die Engel schauen, und so weiter. Tatsächlich ist die 1944 entstandene Komposition Teil eines großen Lebenswerkes, das sich von Anfang an, wohl seit der Anfangszeit des jungen Messiaen als Organist und Komponist in Paris, dem katholischen Glauben verpflichtet weiß und die Freude an der Schöpfung Gottes nicht zuletzt in kunstvollen kompositorischen Reflexen auf den Gesang der Vögel unter Beweis stellt. Am Montag wird der wunderbare Martin Helmchen am Klavier Messiaens Zyklus spielen; und Arnaud Poumarat und Folkert Uhde sorgen für ein Lichtdesign, das seinesgleichen sucht, jedenfalls im Genre des weltlichen Konzertabends.

Sicher wird es eine sehr sinnliche, geistig und geistlich überaus anregende Veranstaltung, angefasst bereits vom Zauber des Weihnachtsabends, aufgeladen zugleich von Messiaens charakteristischem Gespür für Rhythmik, Harmonik und Klangfarbe.

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