HÖREN : Von Dessau nach New York

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Gerade 18 Jahre alt, so jung wie das Jahrhundert, war Kurt Weill, als er sich 1918 an der Berliner Musikhochschule immatrikulierte. Er kam nicht gut zurecht dort, bewarb sich in Wien bei Arnold Schönberg, musste aber aus Geldgründen doch wieder zurückkehren in seine Geburtsstadt Dessau, bevor es ihn über eine Zwischenstation in Lüdenscheid erneut nach Berlin verschlug: diesmal an die Akademie der Künste, zu Ferrucio Busoni.

Und nun wurde alles gut. Nach drei Jahren Ausbildung und ersten großen Aufführungen empfahl Busoni seinen jungen Schüler an die Universal Edition in Wien, die ihn für die nächsten zehn Jahre verlegte. Im März 1927 fing Weill an, mit Brecht zusammenzuarbeiten, 1928 feierte die „Dreigroschenoper“ am Schiffbauerdamm Premiere, mit Weills junger Frau Lotte Lenya in der Rolle der Jenny. Alles hätte erfolgreich weitergehen könne mit dem inzwischen erfolgreichsten Musiktheaterkomponisten der Zeit, wenn eben nicht alles anders gekommen wäre: Im März 1933 floh Weill nach Paris, 1935 in die USA. Er ließ sich einbürgern und kam damit zurecht, dass die Europäer seine „leichtere“ Musik wenig respektierten und die Amerikaner umgekehrt von seinem „europäischen“ Schaffen befremdet blieben. 1950 starb er in New York.

Wo einst das Gartenhaus mit der Adresse Altonaer Straße 22 stand, in dem Weill 1919 als Student gewohnt hatte, wird jetzt eine Berliner Gedenktafel enthüllt. Das Haus selbst existiert freilich nicht mehr: Im Krieg wurde es zerstört, danach errichtete man an dieser Stelle ein Kino, in das 1974 das Grips-Theater einzog. Dort lädt das das Dessauer Kurt Weill Zentrum am Mittwoch (25. September, 18 Uhr) zur Tafel-Enthüllung und zieht dabei alle Fäden zusammen: Dessau, Berlin, Deutschland, Amerika, Theater, Musik. Anna Haentjens (Gesang) und Sven Selle (Klavier) musizieren.

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