Kultur : Hören, wie ein Stein klingt

ELFI KREIS

Wie laut ist die Stille? Sind Töne zerbrechlich? Kann man auf einem Klangteppich gehen und läßt sich Musik sehen, die geduckt unter einem Dach auf klassizistischen Säulenkapitellen hockt? Fragen wie diese beantwortet Rolf Julius seit über zwei Jahrzehnten positiv.In den späten 70ern führte sein Weg von der bildenden Kunst zur Klangkunst.Klang, Material, Farbe beeinflussen sich wechselseitig.Ihre Synthese mündet ein in ein anderes Raumgefühl, eine neue Wahrnehmung von Raum.

Dabei knüpft der Berliner an die Tradition der Minimal Music um John Cage an.Den ersten Anstoß zum konzeptuellen Grenzgang zwischen Musik und Kunst war für Julius der Wunsch zu hören, wie eine Stein klingt.Ihn zu verletzen, aufzuschneiden, anzubohren erschien ihm als unverhältnismäßiger Eingriff.Julius legte später einfach einen meist nur handtellerkleinen Lautsprecher auf einen Pflasterstein.Mit geringsten Mitteln erzielt er den verblüffenden Eindruck, die Quelle der Klänge entspringe im Herzen des Steins.Einflüsse ostasiatischen Denkens und Kultur klingen an, viele Japanreisen haben diese in den letzten Jahren verstärkt.

Bei Dreher hat er eine charakteristische Werkstattsituation mit farbgesprenkelten und salzüberkrusteten Miniaturlautsprechern in einfachen Schalen installiert, über denen eine flache Klangfläche schwebt.Daneben liegen Pflastersteine, aus mit Silberstaub gefüllten Bechern dringen quecksilbrige Töne.Aus den "Zwei Schalen", zwei mit Grafit gefüllten Lautsprechern rauscht und plätschert Wasser, Bässe grollen wie das Mahlen von Geröll und versetzen den feinen Staub in vibrierende Bewegung.Man hört, was zu sehen und sieht, was zu hören ist.

Persönlichkeit und Werk stehen bei Julius im Einklang.Lang ist die Liste der Ausstellungen seit dem Durchbruch 1980 mit der von René Block in der Akademie der Künste gezeigten Gruppenschau "Für Augen und Ohren".Sie reicht über die Teilnahme an der documenta 8 in Kassel 1987 bis hin zur "Musik für einen fast leeren Raum", seinem bislang größten Innenraumprojekt.Diese Arbeit schuf Julius vergangenes Jahr für die Bildergalerie des Hamburger Bahnhofs.Dennoch ist der eher stille und zurückhaltende Künstler bescheiden geblieben.Julius geht wie ein guter Koch ans Werk, der den Eigengeschmack seiner Lebensmittel im Zusammenspiel ausbalanciert und zur Entfaltung bringt, ohne daß sich eine - akustische oder visuelle - Zutat in den Vordergrund drängt.Julius feierte am 25.Januar seinen 60.Geburtstag.

Galerie Anselm Dreher, Pfalzburger Straße 80, bis 20.März; Dienstag bis Freitag 14-18.30 Uhr, Sonnabed 11-14 Uhr.

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