Hörspiel : Haste Töne!

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Seit dem Erscheinen des Hörspiel-Samplers "Pressplay" vor zwei Jahren wird die freie deutschsprachige Hörspielszene immer deutlicher wahrgenommen. Nun folgt die zweite Ausgabe.

Jan Oberländer

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Seit dem Erscheinen des Hörspiel-Samplers „Pressplay“ vor zwei Jahren wird die freie deutschsprachige Hörspielszene immer deutlicher wahrgenommen. Nicht nur die etablierten Wettbewerbe wie der Leipziger Hörspielsommer und „Plopp!“ in Berlin boomen, auch die ARD richtet seit 2006 mit „Premiere im Netz“ einen Wettbewerb aus. Neue Radioformate wie das „Blogspiel“ vom Deutschlandradio oder der „SWR 2 Dschungel“ senden Produktionen „zwischen Klangkunst und klassischen Erzählformen“.

So fasst es der Hörspielmacher und „Pressplay“-Herausgeber Claes Neuefeind zusammen. Der Kölner, Jahrgang 1977, hat mit „Pressplay 2“ eben die zweite Ausgabe dieser hierzulande bisher einzigartigen Anthologie zusammengestellt. Rund 100 neue Produktionen entstünden pro Jahr, schätzt Neuefeind. Das Ziel des Samplers sei, die Entwicklungen der letzten beiden Jahre abzubilden. Zusammen mit dem Hamburger Indie-Verlag Mairisch hat er aus über 120 Werken die Interessantesten ausgewählt und auf einer Mp3-CD versammelt.

Unter den 20 Stücken – über sechs Stunden Spielzeit! – sind Produktionen von Newcomern und Preisträgern, Tonsammlern und Tüftlern. Zu hören sind Soundlandschaften wie Jana Debrodts melancholisches „Spielmax“, die das Schwanensee-Motiv in verschiedenen Verzerrungsstufen untersucht. Oder O-Ton-Collagen wie Mia Frimmers wunderbares „Den einen, die eine“, ein Sprachschnipselstück übers Ver- und Entlieben, über Partyflirts und Gefühlsfluchten. Das Berliner Duo „phonofix“ spürt in einem vielstimmigen Stück dem Pop der neunziger Jahre nach. Und in Ina Kleine-Wiskotts „Nächster Halt“ macht sich ein sehnsüchtig lauschender Erzähler auf die Suche nach der Straßenbahnstationenansagerin – übrigens der Synchronstimme von Marilyn Monroe: „Fahrtende, bitte aussteigen!“

Die Anthologie nimmt den Hörer mit auf eine Gedankenbilderreise, die Lust macht auf mehr. Neuefeind hat gute Nachrichten: „Pressplay ist nur die Spitze des Eisbergs. Da ist noch viel Potential.“ So ist beispielsweise keiner der elf Nominierten des Online-Awards der ARD-Hörspieltage auf dem Sampler vertreten. Auch in Österreich und der Schweiz könne man sich noch viel stärker vernetzen. Klingt vielversprechend. An Material für „Pressplay 3“ sollte es nicht mangeln. Jan Oberländer

Claes Neuefeind (Hg.): Pressplay2. Die Anthologie der freien Hörspielszene. Mairisch Verlag, Hamburg 2008. 15,90 Euro. Releaseparty heute um 20.30 Uhr im Studio der Schaubühne, Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf. Eintritt: 5/3 Euro

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