Kultur : Hörst du sie schon rocken? Geburtstagsrevue für Mario Adorf in Berlin

Thomas Lackmann

Partystimmung im Theater des Westens: Das Geburtstagskind kommt sehr leger, im Bademantel, auf die Bühne und guckt sich trotzig-gerührt zwei Stunden lang an, wie ein Sänger samt Band und ein Regisseur mit Stab für die Wiegenfest-Show „Da Capo Mario“ proben. Ein Trick. Der angekündigte „musikalische Theaterabend“ findet dabei nicht wirklich statt. Dafür hat der Liederabend-Spezialist Franz Wittenbrink (seine „Zigarren“ am Berliner Ensemble waren ein dicker Erfolg) als Autor und Regisseur zu wenig Funken geschlagen. Dafür hat der große Schauspieler Adorf an diesem Abend zu wenig Stimme und hält sich als Entertainer auch zu sehr zurück.

Aber als eine Art Kindergeburtstag für den 75-Jährigen funktioniert die Chose. Schon die Nennung von „Gerd“ und „Brioni“ wird zur Pointe, gerade jetzt. Die Fans singen den Kanon „Signor Mario, schläfst du noch, hörst du sie schon rocken, die Geburtstagsglocken, ding dang dong“ vierstimmig mit. Filmschnipsel zeigen den Jubilar in allen Lebenslagen, unter anderem in seinen Sterbeszenen, beim Verschlucken eines Parteiabzeichens. Zum Höhepunkt erzählt und spielt Mario Adorf alte Theaterwitze, die echt witzig sind. Einer handelt von einer neuen Arznei gegen einen uralten Schauspieler-Alptraum, einer Art Gedächtnis- Viagra: Die Pille verhindert zwar nicht das Vergessen des Textes, aber „man schweigt glücklich“.

Beim Empfang outen sich als Adorf- Fans auch SPD-Minister Clement (der Kragen zugeknöpfter als am Wahlabend zuvor) und die scheidende Grünen-Politikerin Antje Vollmer, der ihr Faible für Mario hilft, den Frust über das politische Durcheinander fast zu vergessen. Büfett in Ordnung, Parteiabzeichen werden nicht verschluckt. Kindergeburtstag doch irgendwie gelungen, keine rote Grütze an den Wänden.

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