Kultur : Hörtest: Klaviermusik - 25 Salonstücke der Japanerin Kyoko Tabe

jök

Seine Klavierstücke schrieb Jean Sibelius nach eigenem Eingeständnis nur, um damit Geld zu verdienen - und ärgerte sich zeitlebens, dass die harmlosen Miniaturen mit Baum- und Blumentiteln ihm mehr Geld einbrachten als die meisten seiner Orchesterwerke. Streng achteten die Verleger bei diesen hausmusikorientierten Nebenwerken nicht nur auf eingängige Titel wie "Gänseblümchen" oder "Chant du soir", sondern auch auf die Gefälligkeit der melodischen Ideen und ließen Sibelius keine Chance, eine Klaviersprache zu entwickeln, die mit der Individualität seiner Sinfonien vergleichbar gewesen wäre. Dennoch sind die 25 Salonstücke, die die japanische Pianistin Kyoko Tabe nun zu einer CD gebündelt hat, gute Musik: Ihr Charme liegt gerade in ihrer ruhigen, melancholisch getönten Schlichtheit und fast lakonischen Poesie. Für die ersten Herbsttage.

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