Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

POP SDNMT, The Goal Is To Make The Animals Happy (Sinnbus) Dass es in der Hauptstadt rauer zugeht als andernorts, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Aggrokult und Electroclash sind nur zwei Schlagworte für die Neue Berliner Härte, die die Zudringlichkeit eines ungesicherten urbanen Lebens spiegelt. Aber es geht auch anders. Das belegt beeindruckend eine Post- Rock-Formation namens SDNMT – vielleicht hilft es, zu wissen, dass der sperrige Name von Seidenmatt abgeleitet ist, so hieß die Band früher mal. Die fünf Berliner Musiker entfalten auf ihrem dritten Album eine filigran verschränkte, betörend weiche und doch wuchtige Architektur, die bewohnt werden will. Da bruzzeln Beats auf der Festplatte, die Gitarre streut flimmernde Akkorde ein, Streicher wimmern. Was mit einem wehmütig verschleppten Gitarrenriff bester Shoegazer-Schule beginnt, kann unversehens von federnden House- Rhythmen okkupiert werden. Dass ihre Wurzeln im Jazz liegen, verheimlicht die Band nicht. Und es gelingt ihr, die konzeptionelle Strenge ihrer – überwiegend wortlosen – Songs in so etwas wie moralische Integrität zu verwandeln. Diese Musik zehrt von der Dynamik und Dramaturgie einer Gruppe, die eigentlich zu groß ist, um sich noch stillschweigend zu verstehen. Man findet hier dasselbe hymnische Verlangen wie bei Broken Social Scene oder Mogwai. Und dieselbe Klasse. Merkwürdig, dass das Quintett nicht bekannter ist. Das Beste aus Berlin seit langem. KM

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