Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

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POP Lüül, „Damenbesuch“, (Indigo)

Weiche Stimme, edler Anzug, blonder PopperSchnitt. Der Mann, der sich Lüül nennt und Lutz Ulbrich heißt, sah nicht immer so aus. Früher, bei Ash Ra Temple und Agitation Free, fielen dem Gitarristen die Haare als Engelsfrisur ins Gesicht. Aber Großstadtneurotiker war er wohl immer. Mit Akkordeon, Violine und Banjo folgt der 51-Jährige dem abgedimmten Wehklang von Element of Crime und 17 Hippies (zu denen er gehört). Er hat mal – lange her – den „Ball der einsamen Herzen“ organisiert. Dies ist der Soundtrack. KM

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JAZZ Ignaz Dinné, „Back Home“, (Double Moon) Dass Modern Jazz kaum noch als Zeitklang funktioniert, heißt nicht, dass man sich keine Mühe mehr geben muss. Die abstrakt expressive Kühle des Postbop bedarf vielleicht umso größerer Sorgfalt, da ihre Antriebskraft, ihr Versprechen, im bloß Routinierten entschwindet. Ignaz Dinné hat bei den Großen studiert (Bobby Watson, Branford Marsalis u.a.) und sich intensiv mit Thelonius Monk beschäftigt. Sein Debüt verrät, dass er sich auskennt – und den hellen Geist eines 33-jährigen, der nicht wie die Alten klingen will. KM

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