Kultur : HÖRTEST

Neue CD’s

KM

ROCK Die Toten Hosen , Zurück zum Glück (JKP/Sony) Die ersten vier Takte klingen nach Red Hot Chilli Peppers, also: ziemlich funky. Das verfliegt allerdings, wenn Campino & Co dann doch ihrem refrainlastigen Parolen- Rock den Vorzug geben. Die 15 Stücke reichen von schnellem Punkrock bis balladeskem Liedgut (an dem Funny van Dannen mitgeschrieben hat). Stark ist „Ich bin die Sehnsucht in dir“, ein melodiöser, sich dramatisch steigernder Song über die erste, niemals sterbende Liebe. Überhaupt große Themen: Reden mit Gott, Angst vor dem Sterben und die Frage, was Freundschaft ist. Dann taucht plötzlich sogar ein Orchester auf – und sprengt nicht mal den Rahmen.

* * *

JAZZ Nu Box , Sonic Screen (ENJA) Sie sind eine Entdeckung des Berliner Jazzfests. Als das Trio um Trompeter Rainer Winterschladen 1985 dort auftrat, war das wie ein Schock: So groovy, punkig, elektronisch hatte hierzulande noch keine Jazzband geklungen. Winterschladens gestopfte Stakkato-Figuren zitierten Miles Davis und legten sich als poetische Miasmen über ein wild-pulsierendes Beat-Gewitter. Mit Alois Kott am Bass und Peter E. Eisold am Schlagzeug durchbrach die Band Schallmauern und betrat früh Dancefloor-Gefilde. Nach zehn Jahren kommt nun wieder eine Platte von ihnen heraus. Und sie ist großartig. Satt- schleppende Dub-Sounds, hektische House-Rhythmen und technizistische Avantgarde-Nummern – Jazzstücke können auch in fünf Minuten alles sagen (in Berlin am 27./28. Oktober, Schlot). KM

* * *

KLAVIERMUSIK Alexander Lonquich, Plainte Calme (ECM) Faurés fünf Impromptus sind das Gegenteil von Virtuosenmusik: Verspielte und versonnene Episoden im Licht herbstlicher Nachmittage, die nicht durch Brillanz, sondern nur durch Charme und Feingefühl lebendig werden. Alexander Lonquich ist einer der wenigen deutschen Pianisten, die ein Gefühl für die duftige Faktur dieser Musik und die Leichtigkeit und Fantasie ihres Erzähltons haben: Hier verfolgt er die Spur französischer Klangpoesie von Fauré über Ravels in geheimnisumwobenem Märchenton erzählten „Gaspard de la nuit“ bis zu Messiaens frühen „Préludes“, deren Farben er mit der gleichen Liebe zum Leuchten bringt, die ein Kind für sein Lieblingsbilderbuch fühlt. jök

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben