Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

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POP Chicks on Speed, And The No Heads (COS Records/Indigo) „Let’s play – Wooaar!“ gellt es aus hundert Stimmen, jemand erbricht sich und jemand anderes spielt Krieg, indem auf etwas sehr Luftgeistiges eingedroschen wird. Mit dieser Kampfpantomime (!) fängt „Class War“ an, einer von 13 neuen Songs des KünstlerinnenKollektivs Chicks on Speed, das sein 4. Album in Barcelona unter der Ägide von Techno- Produzent Christian Vogel einspielte. Herausgekommen ist ein polarisierendes, hektisch-parolendes Agit-Pop-Mosaik.Gelegentlich stechen aus dem fiebrigen Geshoute eine Basslinie oder ein Gitarrenriff heraus. Doch meist zerfallen diese Rock’n’Roll-Gesten schnell wieder und erodieren zu einem bizarren Klang- und Wort-Theater, das sich am Irak-Krieg und der Gedankenlosigkeit von Bush- Country abarbeitet. Zuweilen etwas zusammenhanglos geratene Platte, die auch eine Parodie auf den Polit-Hype des Pop sein könnte. KM

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ELEKTRO Andrew Pekler , Nocturnes, False Dawns & Breakdowns (scape) Schimmernde Diodenklänge, knisterndes Halbleiterrauschen – die geschmeidigen Irrgärten des kalifornischen Wahlberliners und Klangflächen-Architekten Andrew Pekler sind Soundtracks für Nachtfalken. Mehr Situation als Simulation. Mit viel Swing kugelt sein digitaler Amöbenjazz durch ein psychedelisches Film-Noir-Ambiente, verschluckt die Kontraste und das Elend der Schlussakkorde. Denn es geht immer weiter. Ein cooles Seelenkammerflimmern. KM

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