Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

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POP Berend, Tagesthemen, (Kleckenplatten/Indigo) Nach einem ersten 2001 erschienenen Album („Frühes Frühstück“) hat das Quartett um den früheren Paula Multiinstrumentalisten Berend Intelmann jetzt sein zweites Werk fertig. Zwei Gitarren plus Schlagzeug plus Bass – das ergibt lockerflockige Radiorockpopmusik. Viel Hoppelbeat und Geschrammel, in einigen guten Momenten klingen die Aeronauten an. Die Melodien gehen ins Ohr, flutschen aber gleich wieder raus, die Texte haben nur selten Widerhaken. Intelmanns Gesang ist dünn und monoton, dabei nicht unsympathisch, wenn er nölt: „Ich sage es dir nur ungern: Du bist das Kind deiner Eltern. Aber glaube mir, es ist kein Problem, trotzdem ihrem Schicksal zu entgehen.“ jan

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POP Diverse, Clubber’s Guide to ... Berlin, (Ministry of Sound/Edel) Ein akustischer Stadtrundgang durch die Berliner Nachtlebenszene, das ist vermutlich, wovon man jeden Touristen unbedingt abhalten sollte. Aber hinter diesem Clubgänger- Führer verbergen sich ein schön gemachtes Booklet mit Bar-, Restaurant- und Café-Porträts sowie Dance-Tracks von Märtini Brös., Klee, Westbam, Terranova, Superpitcher, 2raumwohnung und Mia. Die Raketen warten mit „So Fuckin’ Yeah“ auf und stellen klar, dass mit Freundlichkeit in dieser Stadt auch nächtens nicht zu rechnen ist. Sattdessen regiert der Trash, das ruppig-karge Billig- wumms, das jeden in die Arme schließt. KM

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ELEKTRO Juan Atkins, The Berlin Sessions, (Tresor/Sony) Er ist der Großwesir des Techno. Der aus Detroit stammende Erfinder einer Musik, die wie pure Technologie klingen sollte, ist noch immer, zehn Jahre nach dem Schöpfungsakt, ein unsentimentaler Minimalist. Seine „Berlin“-Tracks mit einer durchschnittlichen Spieldauer von über zehn Minuten sind aus wenigen Bausteinen zusammengesetzt. Dass sie trotzdem eine innere Dramaturgie entfalten und sogar melodiöse Andeutungen entwickeln, macht diesen Longplayer zu einem Ereignis. Das Rauschhaft-Utopische vergangener Platten ist abgeklungen. Techno steht da als die Kunst, der Technik eine Seele zu geben. KM

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