Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

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JAZZ Gitte Haenning meets the

Francy Boland Kenny Clarke Big Band (bureau b/edel) 1969 rebellierte Gitte Haenning: Sie hatte genug von „Jeder Boy ist anders“Schlagern. Um der Dänin eine Vertragsverlängerung schmackhaft zu machen, schenkte die Plattenfirma Emi ihr zwei Studiotage mit der Bigband des belgischen Pianisten Francy Boland und des US-Drummers Kenny Clarke. Die Aufnahmen, jetzt wieder veröffentlicht, sind Perlen des Easy Listening. Gitte singt Standards wie „Imagination“ und „Marriage Is For Old Folks“ oder „A World Without Love“ von den Beatles, sie scattet, kiekst und seufzt. Ihr strahlender Alt trotzt den wuchtigsten Bläsersätzen. Wunderbar! chs

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POP Nachlader, Bock auf Aphorismen

(Labels) Schon wieder eine Debütplatte, die für die Hitparade gemacht ist, aber dort vermutlich nie ankommt. „Ich kehre zurück zu den einfachen Dingen“, singt Daniel Baumann, „man muss ja nicht immer Protestlieder singen.“ Dazu ein luftiger Synthesizer- Groove, das Diodengepiepe eines abgeklärt melancholischen Eighties-Pop, und schon ist das sympathische Lebenshilfe- Konzept von Nachlader fertig. Die-Ein- Mann-Band des 31-jährigen Berliners will zwar mit simplen Mitteln große Gefühle erzeugen, aber schrammelt auch elegant durch die düsteren Gefilde von Abstiegsangst und Kontrollwahn: „Alles, was ich will, ist weniger, als ich verdiene.“ KM

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