Kultur : HÖRTEST

Musik aus Spandau und Berlin

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POP Bela B., Bingo (BPX 1992) Der nach eigener Einschätzung beste Musiker Spandaus bringt ein Solo-Album raus. Applaus, Applaus für so viel Mut, der letzte Versuch mit seiner Band „Depp Jones“ 1989 war eine Katastrophe. Überraschend: Bela B. spielt in „Bingo“ weniger musikalischen Klangmüll als befürchtet. Prima: „Nimm die Gitarre runter, wir wollen deinen Sack nicht sehen!“ Schöne laute Platte für den Sommer, sogar öffentlich hörbar. AG

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POP Roger Cicero, Männersachen

(Warner) Eigentlich verboten: dieser kleine schwarze Hut, die locker gebundene Krawatte. Roger Cicero inszeniert sich als Sinatra-Wiedergänger. Eine dreiste, nach den Swing-Platten von Robbie Williams und Bryan Ferry auch nicht mehr originelle Anmaßung. Aber der Sohn des Pianisten Eugen Cicero kann singen. Seine Stimme strahlt und seufzt, begleitet von einem elfköpfigen Orchester, das nach dem Musik-ist- Trumpf-Jazz der Siebziger klingt. Die etwas zwangsoriginellen Texte stammen vom Annett-Louisan-Entdecker Frank Ramond. Cicero prahlt: „Ich bin ein Dichter, ein Denker, ein Sänger, ein Lover, der Typ auf dem Cover.“ chs

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POP Mocky, Navy Brown Blues

(Four Music) Es geht ziemlich tränenreich zu auf dem dritten Soloalbum des Kanadiers Dominic Salole, genannt Mocky. Da werden Freudentränen vergossen und sich unter dem Ansturm des Glücks in wild pulsierende Gospel-Beats und entzückten Rap- Gesang gespreizt. Wie Prince es täte. Später dann darf die wunderbare Feist ihre Tränen in einer sanft scheppernden Ballade bekämpfen. Und das klingt mit Geigen und Saxofonen ganz betörend. Doch irgendwie fehlt es dieser souligen, stilvoll arrangierten Hip-Hop-Platte an Wumms. KM

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