Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

-

POP Trost, Trust me (Four Music) Von einer Hälfte des krachscheppernden ElektroPunk-Duos Cobra Killer erwartet man eher Herbes, Schräges. Doch auf der Soloplatte der gebürtigen Spandauerin Annika Line Trost geht es zart zu. Es klingen die Beatles, Tom Waits, Brian Eno oder Stereo Total durch. Streicher schmeicheln Sätzen wie „The Nightclub was wrong / My Shoes were wrong“. Das ist wunderbar. Eine Reise durch Pop-Stile, die ein eigenes poetisches Amalgam ergeben. KM

* * *

POP Justine Electra, Soft Rock (City Slang) Justine Electra Beatty heißt wirklich so, und sie macht Low-Fi-Electropop. Die australische Hippie-Tochter und Ex-Techno-DJane kam vor fünf Jahren nach Berlin. Ihr Debüt, entstanden in Zusammenarbeit mit Indie-Pop-Pionier Schneider TM, versammelt seltsame Geräusche und wunderbarste Melodien. Es rauscht, fiept, scheppert, auf beachboyeske Klavieretüden folgen minimalistische Lagerfeuerliebeslieder. Electra singt wie Aschenputtel und Schneewittchen in einer Person: „Somebody’s been walking in my shoes“. Großartig. chs

* * *

AMBIENT Roedelius, Works (1968–2005) (Grönland Records) Er gehört zu den Pionieren des elektronischen Popsounds. Hans Joachim Roedelius, 1934 in Berlin geboren und Mitglied der Kommune 2, gründete 1969 die Avantgardegruppe Cluster, die sich als musikalisches Pendant zu Beuys verstand. Wobei die konzeptionelle Strenge eher weiche Klangflächen gebar mit gelegentlichen Beats. Von da bis zur technoiden „Digital Love“ der Gegenwart misst die Doppel-CD das romantisch verschattete Werk des einstigen Bergknappen, Schäfers, Krankenpflegers und Schmuckverkäufers aus. KM

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben