Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

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POP Namosh, Moccatongue (Bungalow/Rough Trade) Aus dem Laptop donnern funky Disco-Beats, ein Bursche tanzt dazu auf der Bühne und rappt und stürzt und blutet. So kann das gehen, wenn der 24-jährige Elektropunk Namosh eines seiner vielen Off- Konzerte gibt. Zu seinen Bewunderern zählen Björk und Madonna, nachdem sie von seinem Song „Cold Cream“ erfahren hatten. Nun ist seine Debütplatte erschienen, ein stilistisches Feuerwerk von bizarrem Humor. Da hustet, stöhnt und keucht der türkischstämmige Sänger, dass sich ein eigenartig verschrobenes Rhythmus-Geflecht ergibt. Mal wird Prince’ „Dirty Mind“-Phase zitiert, dann James Browns Sexyness mit imitierten Bläserriffs auf die Spitze getrieben. So charmant hat sich in dieser Stadt noch keiner an den R & B-Göttern vergangen.KM

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POP Bosse, Guten Morgen Spinner

(Capitol/EMI) Eine Ballade macht den Anfang. „Schlafen“ ist der Abgesang auf eine gemeinsam verbrachte Partynacht, so leise gespielt, als wären die Ohren noch wie betäubt vom Ansturm der Gitarren und Beckenschläge, in die die Band um Axel Bosse ihre Songs zu hüllen pflegt. Der 26-Jährige ist auch auf seinem zweiten Album nicht zum großen Songwriter gereift („Manchmal ist es besser, bei null zu starten, als bei acht zu verblöden“), aber seine Lieder verströmen Kraft. Sie krachen und bolzen sich durch die Befindlichkeitswelten eines Romantikers, dem das Zärtliche ein wenig unheimlich ist. So machen Bockwurst und Kartoffelschnaps aus einem gequälten Anstandsbesuch bei den Eltern der Freundin einen herrlichen Abend. Auch gut. KM

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