Kultur : HÖRTEST

Musik aus Berlin

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POP Bodi Bill, No More Wars (Sinnbus) Wie die Verhältnisse sich verkehrt haben: Tanzmusik wird heute mit Gitarren gemacht, und der Computer wird zum Instrument der Einkehr, des vertrackten Kammersongs. Dessen Dramaturgie beherrscht auch das Duo Alex Amoon und Fabian Fenk, das mit „No More Wars“ ein vielversprechendes Debütalbum auf dem Laptop zusammengesetzt hat. Darauf knurpselt, klopft, zischelt und blubbert es so energisch, dass mitunter sogar Beats entstehen. Sehr schön. KM

ELEKTRO Gudrun Gut, I put a Record on

(Monika) Noch ein Debüt, aber man will es kaum glauben. Gudrun Gut ist als Gründungsfigur des Berliner Underground (Mania D., Einstürzende Neubauten), als Mitbetreiberin des „Ocean Club“ (Radio Eins), als Labelchefin und vielbeschäftigter DJ seit Jahren mit dem Klang der Stadt verschweißt. Aber sie pflegt im Team zu arbeiten. Ihr erstes Solowerk zieht die Quersumme. Minimalistischer House, federleicht, bei dem die Songs wie durch ein Prisma mäandern und langsam ihre Farbe ändern. Tief wummert der Bass. Hypnose. KM

ELEKTRO Monotekktoni, Love Your Neighbours? No, thanks! (Sinnbus) Bratz, Schepper, Katong ... das Klangreservoir des Ein-Frau-Unternehmens Monotekktoni kennt nur brachiale Übersteuerung. So klingt Musik, die das System, die Schaltkreise von Innen sprengen will und Extase schon für Schönheit hält. „Too many crazies talk to me“, singt Tonia Reh und man versteht sofort, warum sie ausgerechnet die Verrückten anzieht. Ihr Album ist ein fies hämmerndes, böse bellendes Beat-Monster. Furios. KM

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