Kultur : Hörzu

Heute startet das sechste YoungEuroClassic-Festival

Frederik Hanssen

Von China aus betrachtet, sind wir in Europa alle Rundaugen. Was Franzosen von Deutschen unterscheidet, versteht nur, wer näher hinschaut. Oder hinhört. Genau das haben junge Musiker aus Peking und Schanghai vor, wenn sie jetzt in Berlin beim YoungEuroClassic-Festival auftreten. Längst ist aus dem im Sommer 2000 gestarteten Jugendorchestertreffen ein globales Meeting geworden. Neben zehn EU-Ensembles werden auch Kasachen und Weißrussen sowie Studenten der New Yorker Julliard School erwartet.

Von heute bis zum 22. August ist zu erleben, was Wirtschaftsexperten eine Win-Win-Situation nennen: Alle Beteiligten profitieren gleichermaßen. Denn der Nachwuchs präsentiert nicht nur Meisterwerke alteuropäischer Klassik, sondern bringt jeweils auch Kompositionen aus der Heimat mit. Wer zu mehreren Abenden im Konzerthaus am Gendarmenmarkt geht, kann am eigenen Leib spüren, was aktives Hören bedeutet: Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit.

Interaktiv wird hier sogar das Musizieren: Beim Campus-Projekt treffen zwei Orchester aufeinander und müssen sich binnen weniger Probentage auf eine gemeinsame Interpretation einigen. Neu kommt diesmal die Begegnung von acht Autoren aus acht Nationen hinzu – als Nukleus eines Projekts, das Festival-Chefin Gabriele Minz zum ständigen Diskussionsforum für junge Intellektuelle ausbauen will – wenn sie Geldgeber findet.

Dass die Qualität der Aufführungen stark schwankt, dass manche Orchester noch nach ihrem Klang suchen, während sich andere schon als echte Profis erweisen, schmälert den Reiz dieses Sommerfestivals nicht. Wo das Heterogene Programm ist, wirken nicht einmal jene Entertainmentelemente peinlich, die seit Anbeginn zu YoungEuroClassic gehören: weder der blaue Teppich, über den man die Freitreppe zum Konzerthaus hinaufschreitet, noch die festivaleigene Begrüßungsfanfare, ja nicht einmal die Promis, die als Paten vor Beginn eines jeden Konzertes mehr oder weniger Klassik-Affines zum Besten geben. Ein gastfreundliches Ambiente, davon ist Gabriele Minz überzeugt, hilft, Ohren zu öffnen. Oder, wie ZDF-Anchorman Claus Kleber, der Pate des ukrainischen Hochschulorchesters, sagen würde: Mit dem Zweiten hört man besser.

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