Kultur : Hoffnung: Australian Chamber Orchestra in der Philharmonie (Klassik)

Cordula Däuper

Eine ungewöhnliche Optik im Kammermusiksaal der Philharmonie: Über schwarzer Kleidung tragen einige der 15 jungen Streichinstrumentalisten Wickelröcke oder Leibchen mit Trägern. Diese bunten Flecken in lila und rot wirken ebenso erfrischend wie ihre beschwingte Art - im Stehen - zu spielen. Das Australian Chamber Orchestra ist zu Gast in Berlin. Neben den extra für das Orchester designten Klamotten haben die Musiker drei Werke im Reisegepäck. Ein "Originalimport" des australischen Komponisten Brett Dean und zwei "Anleihen" aus der Kompositionstradition hiesiger Breitengrade, Haydns Cellokonzert in D-Dur und Schuberts Streichquartett "Der Tod und das Mädchen". Das Quartett hat der erste Geiger des Ensembles, Richard Tognetti, für Streichorchester bearbeitet. Trotz hervorragendem Zusammenspiel erreicht diese Version nicht annährend die Intensität des ursprünglichen Werkes. Den Beweis, dass hier eine einzelne Violinenstimme viel eindringlicher spricht, tritt der Konzertmeister selbst an, indem er die "Todesmelodie" im zweiten Satz solistisch gibt. Haydns Cellokonzert interpretiert das Chamber Orchestra ebenfalls ungewohnt. In Zeiten der historischen Aufführungspraxis, dem "abgespeckten" Klang, kommt diese Interpretation wie mit eingesetztem Weichzeichner, fast verschwommen, daher. Authentischer wirkt da "Carlo - Musik für Streicher, Sampler und Tonband" von Brett Dean. Der 40-jährige Komponist schafft mit Choralgesängen, flüsternden Stimmen vom Band und unterschiedlichsten Klang- und Kratzfarben der Streicher eine sehr filmische Klangcollage. Als Sujet liegt ihr ein Mord zu Grunde, der im 16. Jahrhundert vom Madrigalkomponisten Carlo Gesualdo verübt wurde. Ein Abend ganz neuer, aber auch unzeitgemäßer Aspekte.

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