Kultur : Hoffnung? Im Prinzip!

Es geht um eine längere Dienstreise nach Japan und Korea. Heute und kommenden Mittwoch entscheidet sich, wer zur Weltmeisterschaft fährt. Die Ukraine? Rudi Völler? Und wie so oft ist die Frage: Kann Ernst Bloch dem Teamchef helfen? - Bloch? Völler? Was die miteinander zu tun haben?

Nun, der Philosoph Bloch hat das bekannteste Buch der Fußballgeschichte geschrieben, Das Prinzip Hoffnung. Kein Titel wird häufiger zitiert auf deutschen Sportseiten; sie haben quasi den höchsten PH-Wert in den Printmedien. Einen Stürmer plagt die Schulterluxation? Für die rasche Genesung gilt das Prinzip Hoffnung ebenso wie für die Qualifikationssorgen der Nationalmannschaft. Denn bei negativem Ausgang schwant der Financial Times: "Das Land droht in eine Depression zu versinken."

Prinzip Hoffnung - das ist die Standardmetapher. Und Bloch stellt auf den mehr als 1 000 Seiten die richtigen Trainer-Sein-Seins-Fragen: "Wohin gehen wir?" - "Was erwartet uns?" Schon wahr, "das Morgen im Heute lebt" (E. B.), aber nicht immer begegnen sich Fußball & Philosophie so inspirierend. Harald ("Toni") Schumacher wurde mal ein Satz von Sartre vorgetragen: "Ein guter Torwart ist ein Spieler, der seine Mannschaft durch Überschreitung seiner Machtbefugnisse in eigenwilligen Aktionen rettet." Der Keeper fragte den Reporter: "War Sartre Torwart?" Das nun nicht gerade; zu klein gewachsen, zu kurzsichtig.

Albert Camus war Torhüter, der ja, in einer algerischen Mannschaft. Er kam in dieser realen Zwischen-den-Pfostenwelt zur Erkenntnis: "Alles, was ich über Moral weiß, verdanke ich dem Fußball." Und dass ein Zustand sich durch Gewalt ins Positive wenden lasse, diesen Gedanken brachten ihm womöglich einige rüde dreinhauende Abwehrspieler.

So nah dran war der Schöpfer von Prinzip Hoffnung wohl nie. Oder schlich sich Bloch heimlich aus dem Haus, um beim Nachbarn samstags die Sportschau zu gucken, wie es von Martin Heidegger behauptet wird? Anruf bei Walter Jens, der das aus gemeinsamen Tübinger Zeiten wissen müsste; Jensscher Imperativ: "Das interessierte ihn überhaupt nicht!" Nur ein einziges Mal habe Bloch im Gespräch den Sport erwähnt, aber da sei es um die Verknüpfung der Bayreuther Oper und Berufsringern gegangen; da würden die besten Sänger vor dem besten Publikum auftreten, dort wäre das Ergebnis stets abgesprochen, weshalb man nie wisse, wer der beste Ringer sei.

Richard Wagner und Catchen? Mit diesem krausen Bezug wird der Philosoph Rudi Völler nicht wirklich weiterhelfen. Immerhin: Im letzten Band schreibt Ernst Boch vom "Glück der Blinden". Sollte das dieser deutschen Nationalmannschaft nicht gute Hoffnung machen? Im Prinzip schon.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben