Kultur : Hohnepipel

Thomas Lackmann

VARIETÉ

Er rupft sich Brusthaare raus und wirft sie generös ins Fan-Publikum. Er schnippt ein Wölkchen Konfetti in die Luft und fordert Applaus. Hacki Gindas vor elf Jahren entwickelte minimalistische Clownsfigur hat im Chamäleon Varieté Kultstatus. Doch trotz solcher Traditionsmarken leiden Shows des Etablissements schon lange unter Qualitätsschwankungen: Im Touristenmekka der Hackeschen Höfe meinte man wohl, beliebiges Recycling anbieten zu können. Für das neue Programm (Di bis Sa 20Uhr30, So19 Uhr) agiert nun die Kreuzbergerin Chantal als Glieder verrenkende Seeräuberbraut und erotischer running gag, zur Verhohnepiepelung aller Männer auf der Bühne und davor, fragt: „Na, freust dich?“ Der dicke Kalifornier Tom Noddy spielt als Pustefixmagier unfassbarer Seifenblasen-Mobiles den Weltenbastler. Eine karibische Nixe entsteigt ihrer Megamuschel. Kanonenkugeln landen auf Männermuckis, ein Rhönrad samt Artistin durcheiert den Saal, zwei blöde Haudegen fechten mit wegknickenden Messbändern. Regisseur Ginda setzt sich selbst als Ping-Pong-Jongleur, Star-Wars-Gnom und King-Kong-Pantomime in Szene. Die Musiker sind komisch, das Ensemble macht Laune. Die verspielte Ausstattung illustriert unter der etwas konstruierten Titelklammer „Piraten“ skurrile Assoziations-Clips. Ein Traumschiff mit Stuck und Patina auf selbstironischer Feierabendspritztour. Hier ist die kleine Entertainmentkapitale – „Na, freust dich?“ – ein Konfettiwölkchen aus Witz und Poesie.

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