Kultur : Hollywood: Nach dem Streit ist vor dem Streik

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Noch ist der Streik, der Hollywood in die wohl tiefste Krise seiner Geschichte gestürzt hätte, nicht gänzlich abgewendet. "Vorerst" vermieden sei er, meldeten die Agenturen vorsichtig am Wochenende - vorerst, weil die rund 11 000 Mitglieder des Drehbuchautoren-Gewerkschaft WGA noch über die Einigung abstimmen müssen, vorerst auch, weil die Schauspielergewerkschaft nach wie vor für den 1. Juli, wenn ihr eigener Tarifvertrag endet, mit Streik droht. Und ein Ausstand der 140 000 organisierten Schauspieler würde Hollywood komplett lahmlegen.

Dennoch: Die ganz große Gefahr erscheint gebannt. Der erste Tarifstreit ist beigelegt - und die neue Harmonie dürfte auf den noch offenen Konflikt der Schauspieler ausstrahlen. Ein WGA-Sprecher rühmte den Erfolg des hart errungenen Sieges sogar als "das beste Wirtschaftspaket für die Schreiber seit 1977". Der Verband der Film- und Fernsehproduzenten akzeptierte nicht nur jährliche Gehaltssteigerungen von 3,5 Prozent, sondern die von den Drehbuchschreibern besonders geforderte - und immer lukrativere - Gewinnbeteiligung aus dem Video- und DVD-Einspiel sowie dem TV-Erlös der Filme im Ausland. Psychologisch womöglich entscheidend aber sind die besseren Mitspracherechte für die Autoren, etwa am Set während der Dreharbeiten. Insgesamt rechnet die WGA mit einem Geldsegen von 41 Millionen Dollar. Schon nächste Woche wollen die Schauspieler ihre Verhandlungen mit den Studions aufnehmen.

Der Wermutstropfen: In den kommenden Monaten werden viele extrem eilig abgedrehte Hollywood-Filme in die Kinos drängen - die Streikgefahr mag Geschichte sein, die Hamsterware steht noch bevor.

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