Kultur : Holocaust-Mahmal

Der amerikanische Bildhauer Richard Serra hat sich überraschend vom Wettbewerb um das geplante Holocaust-Mahnmal in Berlin zurückgezogen.Das teilte der Bochumer Galerist Alexander von Berswordt-Wallrabe, der Serra in Europa vertritt und mit dem Künstler auch befreundet ist, am Dienstag mit.Der amerikanische Architekt Peter Eisenman hatte Serra gebeten, ihn bei dem von ihm konzipierten Entwurf für ein begehbares Labyrinth mit 4 000 Säulen bildhauerisch zu beraten, so daß fortan von einem gemeinsamen Entwurf gesprochen wurde.Von Berswordt-Wallrabe betonte, Serra wolle ausdrücklich, daß der Entwurf, der offenbar von Bundeskanzler Helmut Kohl bevorzugt wird, verwirklicht werde.Er ziehe jedoch seine Teilnahme aus "persönlichen und professionellen Gründen" zurück.Er lege auch Wert auf die Feststellung, erklärte Serra, daß diese Entscheidung weder in einem inhaltlichen Zusammenhang zu dem Projekt stehe noch in seiner Beziehung zu den Auslobern des Wettbewerbs - dem Bund, dem Land Berlin und dem privaten Förderverein - begründet sei.

Peter Eisenman sieht den Fortgang des Projekts durch das Ausscheiden Serras nicht gefährdert.Gegenüber dem Tagesspiegel sagte er: "Ich verstehe ihn, ich respektiere seine Entscheidung, ich bedauere sie".Es sei ursprünglich sein Projekt gewesen und das würde es jetzt auch wieder werden.Eisenman zeigte sich zuversichtlich, daß noch vor der Sommerpause eine Entscheidung fallen werde."Wir hatten ein sehr ausführliches, anregendes und in jeder Beziehung positives Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Kohl", sagte der Star-Architekt.Darin habe der Kanzler noch einmal sein Interesse an dem Entwurf betont.Über die Details der Unterredung dürfe er sich verabredungsgemäß nicht äußern.Am 22.Mai hatten Serra und Eisenman mit Bundeskanzler Kohl über eine mögliche Überarbeitung ihres Entwurfes gesprochen.Auch in der Berliner Senatskulturverwaltung geht man davon aus, daß sich am weiteren Fortgang des Wettbewerbs durch den Rückzug Serras nichts ändern werde.Das geplante Denkmal war in den letzten Monaten verstärkt in die Diskussion geraten, nachdem zahlreiche Intellektuelle aber auch Berlins Regierender Bürgermeister Diepgen Vorbehalte geäußert hatten.Diepgens Einspruch steht im Gegensatz zu der Meinung des Berliner Kultursenators und Mahnmal-Befürworters Peter Radunski.Deshalb ist inzwischen unklar, wie sich das Land Berlin als einer der drei Auslober zu dem Projekt verhält.Zuletzt hatte Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth eine rasche Entscheidung zugunsten eines der vier in der engeren Wahl stehenden Entwürfe gefordert, zu denen neben Eisenmans "Stehlenwald" noch arbeiten von Jochen Gerz, Daniel Libeskind und Gesine Weinmiller gehören. Tsp

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