Kultur : Holocaust-Mahnmal: Blaugrau, mit feinen Poren

Torsten Hampel

Sie werden nicht lotrecht aus dem Pflaster ragen, jede von ihnen soll sich ein wenig neigen. Die 2700 Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals werden minimal gekippt, jede anders, keine wird parallel neben ihrem Nachbarn stehen. Das ist einer der Gestaltungsgrundsätze, auf die sich das Kuratorium der Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" mit dem Mahnmals-Architekten Peter Eisenman geeinigt hat.

Auf dem Gelände an der Behrenstraße stehen derzeit elf Betonquader zur Probe, jeder gegossen aus einer anderen Zementmischung, mit variierenden Kanten und verschieden groben Oberflächen. Eisenman selbst favorisiert eine Stele aus einem blau-grauen, feinporigen Beton, und "das Kuratorium hat das einstimmig zur Kenntnis genommen", sagte dessen stellvertretende Vorsitzende Lea Rosh bei der gestrigen Präsentation des Quaders. Die endgültige Oberfläche der Stelen wird sich von der des Probe-Exemplars allerdings unterscheiden. Eisenman wünscht sich einen metallischen Schimmer auf den Stelenflächen, im Juni wird er deshalb an Materialmischungen mit Zusätzen von geriebenem Marmor und Granit experimentieren.

Die Neigung der Stelen unterstütze die Wellenbewegung, sagt Eisenman, die durch die unterschiedliche Höhe der Quader ohnehin zustande komme. Was auf den ersten Blick stabil und rational erscheine, so beschreibt er die Symbolik, sei dies auf den zweiten Blick nicht. Die Stelenhöhe wird zwischen einem halben Meter und viereinhalb Metern variieren. Sie werden 95 Zentimeter breit und rund zweieinhalb Meter lang sein. Wegen der geplanten Verlegung der Behrenstraße nach Süden wegen des Neubaus der angrenzenden US-amerikanischen Botschaft werde die Mahnmals-Fläche kleiner, die Zahl der Stelen bleibe aber konstant, so Rosh.

Im Spätsommer soll mit dem Erdaushub für das Stelenfeld und das an der Südost-Ecke des Geländes geplante Haus der Information begonnen werden. Die Fertigstellung des Mahnmals sei für Januar 2004 geplant. Eisenman verspricht, dass die Kosten die eingeplanten 50 Millionen Mark nicht überschreiten werden.

In dem rund 1300 Quadratmeter großen Haus der Information am Rand des Feldes soll unter anderem ein Register der Namen von rund 4,4 Millionen ermordeten Juden untergebracht werden. Die Daten würden von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zur Verfügung gestellt.

Mit einer Lichtinstallation will der Förderkreis des Holocaust-Mahnmals ab Juni eine bundesweite Spendenkampagne für das Mahnmal begleiten. Die Installation, ein Lichtteppich, solle mit hunderten eineinhalb Meter hohen aufrecht stehenden Leuchtstäben die künftige Struktur der Mahnmalfläche nachzeichnen. Je mehr Menschen spenden, desto mehr Lichter sollen leuchten.

Der Bundestag hatte den Bau des Mahnmals im Juni 1999 nach jahrelangen Diskussionen um dessen Gestaltung beschlossen.

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