Kultur : Holocaust-Mahnmal: Streit um Schiffer-Spot beigelegt, Eröffnung 2004

Amory Burchard

Vorweihnachtlicher Frieden hat sich über das in Berlin geplante Denkmal für die ermordeten Juden Europas gesenkt. Das Kuratorium legte auf seiner Sitzung am Mittwochabend fest, dass das Mahnmal und der Ort der Information wie geplant Ende 2004 eröffnet werden. Architekt Peter Eisenman war eigens angereist, um den Vertretern des Bundes und des Landes Berlin zu versichern, dass seine Detailzeichnungen für die 2700 Betonstelen rechtzeitig zum Baubeginn im Frühjahr 2003 vorliegen. Außerdem sei der Streit um den Fernsehspot mit Claudia Schiffer jetzt beigelegt, teilte der Förderkreis mit.

In dem TV-Spot, der seit 14 Tagen auf RTL II zu sehen ist, ruft das deutsche Model zu Spenden für das Mahnmal auf. Zu sehen ist Schiffer nicht, am Ende des Spots wird lediglich ihr Name eingeblendet. Die Geschäftsführerin der Stiftung, Sibylle Quack, hatte den Spot wie berichtet kritisiert. Sie befürchtete, die Kampagne könnte mit der Würde des Mahnmals nicht zu vereinbaren sein. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, gestand dem Förderkreis jetzt eigene Mittel zu, „um für das Denkmal zu werben“.

Lea Rosh, die Vorsitzende des Förderkreises, der schon im Sommer 2001 mit dem Plakattext „Den Holocaust hat es nie gegeben“ angeeckt war, kündigte weitere „fantasievolle Kampagnen“ an. Selbst die nach fünf Wochen abgebrochene Plakataktion, so Rosh, habe 75 000 Euro Spenden gebracht. Insgesamt hat der Förderkreis 595 000 Euro seit 1998 an Spenden gesammelt. Verglichen mit den Millionen, die für Flutopfer aufgebracht werden, sei das wenig, gab Rosh zu. Die Publizistin glaubt aber, dass die Zustimmung zum Denkmal für die ermordeten Juden und damit die Spendenbereitschaft mit dem Baubeginn im Frühjahr 2003 stark wachsen werde.

Informationen im Internet unter:

www.holocaust-denkmal-berlin.de

www.holocaust-mahnmal.de

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