Kultur : Holzbläser: Mundgemalt

Frederik Hanssen

wind instruments - wie poetisch klingt der englische Name für die Holzbläser-Familie. Wo im Deutschen prosaisch auf das Material verweisen wird, ahnt man im Angelsächsischen, wie der Klang entsteht: durch schwingende Luftsäulen in konischen und zylindrischen Rohren. Ein sanfter Wind ist es, der von den Lippen durch die Instrumente geschickt wird, vor allem, wenn großartige Musiker vom Berliner Philharmonischen Orchester auf dem Podium sitzen. Holzbläser künden vom Klang der Natur. Da liegt es nahe, die "Jahreszeiten" zum Motto zu machen. Beim Konzert des Philharmonischen Bläserquintetts im Kammermusiksaal waren allerdings nicht die Hits von Vivaldi oder Haydn gemeint, sondern vier Stücke aus dem 20. Jahrhundert.

In seinem "Frühlings"-Sextett macht Henri Tomasi mit einem Kunstgriff Atonalität leicht zugänglich: Er definiert die virtuos durcheinander plappernden Stimmen einfach als Vogelgezwitscher. Samuel Barber übersetzte 1955 sommerliche Trägheit in Musik, Hans Werner Henze ließ sich 1979 bei seinem Herbststück von Georg Trakl zu dichten, dunkel gefärbten Farbvaleurs inspirieren. E. E. Cummings schließlich diente Brett Dean als Textlieferant für seine "Winter Songs", ein Auftragswerk des Quintetts. Am Anfang weckt Dean mit subtilen Klangkombinationen Erinnerungen an klirrend kalte Tage; mit dem Einsatz der Singstimme (Scot Weir) lässt er sich aber doch zu einer recht flächigen Vertonung der vertikal gedachten Lautgedichte verleiten.

Zum Glück beenden die Philharmonischen Bläser ihr Konzert nicht im Trüben, sondern blicken nach vorn, mit dem eleganten "Frühling" des von den Nazis verfemten Emil Frantisek Burian und - zum "sommerlichen Abschluss" - mit Darius Milhauds ausgelassen swingender "Scaramouche"-Suite: Hab Sonne im Herzen und winds in den Ohrensegeln.

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