Kultur : Home, sweet home

Christoph Funke

Was auch geschieht, die Familie hält zusammen. Auch Neil Simon verkündet in seinem Stück "Brooklyn Memoiren" diese amerikanische Botschaft, mit einer entwaffnenden Freundlichkeit. Probleme im menschlichen Zusammenleben gäbe es wirklich nicht, wenn sich die Leute so verhielten wie bei den Jeromes in Brighton Beach, Brooklyn, New York City. Es ist Simons Überzeugung, dass Zuversicht und Fröhlichkeit alles Ungemach überwinden können. Glauben möchte man das gern, aber ein wenig blauäugig mutet das nun doch an. Rainer Behrend hat sich an der Tribüne dazu entschlossen, keine Zweifel aufkommen zu lassen. Er folgt Simon buchstabengetreu, lässt mit einer altväterischen Ehrfurcht die Geschichte aus dem Jahr 1938 spielen. Er bleibt bei der intakten Familie, beobachtet all die kleinen Macken und Absonderlichkeiten von Eltern und Kindern mit ungetrübtem Einverständnis, gönnt den Zuschauern eine Ruhepause im Getöse der Weltpolitik.

Gespielt wird das von einem jungen Ensemble mit sympathischer Naivität, ohne den Versuch, in verborgene Tiefen der Figuren vorzudringen. Solche Natürlichkeit hat durchaus ihren Reiz, weil sie das Besondere der von Simon geschilderten Familien-Atmosphäre getreulich aufnimmt. Die Darsteller ordnen sich willig unter, keiner spielt sich in den Vordergrund. Rainer Reiners als Familienvater gibt den Ton vor, ruhig, bestimmt und nachdenklich. Stephan Schulz verleiht dem Halbwüchsigen Eugene die lässige Munterkeit, die dieser selbst ernannte Erzähler braucht - was da noch unfertig ist, hat durchaus mit der Figur zu tun. Dass das Leben dieser jüdischen Familie in einer doch schon ferngerückten Zeit so selbstverständlich zum Leben kommt, ist dem Bühnenbild von Olga Lunow zu danken. Sie baute die vielen winzigen Räume des Jerome-Hauses mit poetischem Charme nebeneinander und übereinander. Dieses putzige, rührende Gehäuse ist prall mit Leben gefüllt und reich an phantasievollen Details, die zu immer neuen Entdeckungen einladen.

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