Kultur : Hometrainer einwickeln

Ulrike Flaig demonstriert, wie ein Wohnzimmer zur Galerie wird

Jens Pepper

Nur eine unscheinbare Klingel mit rotem Punkt und dem knappen Schriftzug FS.ART zeigt dem Besucher, dass er am richtigen Ort ist. Florian Schmid möchte nicht prätentiös wirken und betreibt seinen Schauraum im dritten Stock eines Wohnhauses in der Potsdamer Straße beinahe im Verschwiegenen. In Zeiten, in denen Galerien und Ausstellungsmacher mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit buhlen, ist das ungewöhnlich. Früher war Schmid Kurator der Columbus Art Foundation in Ravensburg. Jetzt berät er Unternehmen beim Aufbau von Sammlungen. Und aus reinem Spaß an der Sache, wie er nicht müde wird zu versichern, lädt er Künstler ein, aktuelle Arbeiten in seinen Privaträumen zu inszenieren. Zu sehen ist die Ausstellung von Ulrike Flaig jedoch nur nach Vereinbarung.

Da Schmid die „Sportschau“ liebt, gab es eine Bedingung, die er der Künstlerin bei der Einladung auferlegte. Sofa und Fernsehgerät sollten zugänglich bleiben. Flaig hielt sich an die Vorgabe und integrierte die Gegenstände kurzerhand in ihre raumfüllende Installation „Roll- Over“. Auch Schreibtisch, Stühle und Hometrainer, sogar Kleiderstapel aus dem Besitz des Gastgebers wurden Teil der Arbeit. Eingefasst sind die Gebrauchsobjekte von einer meterlangen, semitransparenten Spiegelfolie, die Flaig herstellen lässt. Schlangengleich windet sich diese Folie um die Objekte, nimmt den einen ihre Funktion, lässt sie anderen. Es ist eine vollständige Inbesitznahme des Ortes durch die Künstlerin, eine Kreation aus Form und Aura. Die Arbeit ist ein selbstbewusstes Statement in der mit „Me, Myself and I“ recht egozentrisch betitelten Ausstellung. Doch es kommt auch zur kritischen Selbstreflektion wie in dem Video „I am artist./No Problem!“.

Flaig gibt sich als Getriebene auf der Suche nach Bestätigung. Die Vielfalt ihrer Medien scheint dieser Suche zu entsprechen. Neben der Installation und den Videos, je einem Wand- und Bodenobjekt, Fotografien und einem Leuchtkasten zeigt sie Zeichnungen. Und auch diese Blätter mit ihrer unruhigen, bisweilen zarten Strichelung vermitteln, wie Flaig sich an die Dinge herantastet. Jens Pepper

FS.ART, Potsdamer Straße 102, 3. OG; bis 11.7., Tel. 44 35 66 57, www.fs-art.de.

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