Kultur : Hommage an Bode

Schwerpunkt KPM: die 7. Ars Nobilis in Berlin

Michael Zajonz

Selbst in einem so altmodischen Material wie Porzellan lassen sich politische Botschaften verstecken. Genau das ist mit dem Präsentationsschwerpunkt der 7. Ars Nobilis gelungen. Die zentral platzierten Porzellane der Königlichen Porzellanmanufaktur künden nicht nur von der erfolgreichsten Luxusgüterproduktion, die es in Berlin je gegeben hat. Sie erinnern – ohne es auszusprechen – auch an Pleiten, Pech und Pannen bei der jüngsten Privatisierung des Landesunternehmens. Seit dem letzten Eigentümerwechsel darf man wieder hoffen. Und das singuläre Porzellanangebot der Ars Nobilis zeigt, an welches Niveau die KPM anknüpfen könnte.

Allein 14 große KPM-Prunkvasen, entstanden zwischen 1820 und 1900, finden sich im Automobilforum Unter den Linden zu einem Museum auf Zeit zusammen. Die Bremer Galerie Neuse, traditionell einer der größten unter den diesmal 32 Ausstellern, hat mehrere Exemplare im Gepäck. Ins Auge springt ein 66 Zentimeter hohes Vasenpaar, das vier Ansichten von Berlin-Potsdamer Schlössern auf blauem Fond zeigt. Für das Geschenk Friedrich Wilhelms IV. an den badischen Großherzog Leopold I. werden königliche 220 000 Euro erwartet. Bei Neuse findet sich auch eines der selten angebotenen Gemälde von Carl Daniel Freydanck, das ehemals wohl zum KPM-Archiv gehörte und als Vorlage zum Bemalen von Porzellanen diente. Die kleinformatige Ansicht der Glienicker Brücke von 1837 kostet 95 000 Euro. Innenraumansichten von Schloss Babelsberg schmücken als seltenes Motiv eine Kratervase, die Jörg und Alexander von Negelein (Kiel) mit 58 000 Euro beziffern. Volker Westphal (Berlin) präsentiert zwei um 1900 entstandene KPM-Prunkvasen im Rokokostil mit Potsdamer Parkansichten von Julius Menzel (18 000 Euro) sowie Bildnissen der Hohenzollern-Kaiser Wilhelm eins und zwo (25 000 Euro).

Ein Kuriosum in Sachen KPM lockt gegenüber. Otto von Mitzlaff (Wächtersbach) kehrt nach mehrjähriger Messeabstinenz mit einem um 1800 entstandenen Mahagonischreibschrank zurück. In das strenge klassizistische Möbel hat man um 1900 großformatige KPM-Plaketten mit dem Hamburger und Dresdner Stadtwappen eingesetzt (86 000 Euro).

Zu den Höhepunkten im Möbelangebot zählt die von Thomas Schmitz-Avila (Bad Breisig) ausgestellte Salonkommode, die um 1775 in der Potsdamer Hoftischlerwerkstatt der Brüder Spindler entstand (245 000 Euro): Rokoko in Reinform. In vorbildlich patiniertem Erhaltungszustand präsentiert sich eine von Michael Sulzbacher (Havixbeck) gezeigte Kommode, die der Weimarer Hoftischler Holzhauer um 1785 für die Herzoginmutter Anna Amalia gefertigt hat. Das rare Möbel war jedoch schon vor Messebeginn reserviert.

Vergleichbares Interesse ziehen hoffentlich auch die gotischen Skulpturen bei Albrecht Neuhaus auf sich. Erstmals hat der Würzburger sakrale Kunst ins weltliche Berlin mitgebracht – als Reverenz an die Eröffnung des Bode-Museums. Unter den sieben spätmittelalterlichen Holzbildwerken ragen ein um 1380 im Ostseeraum entstandener Altaraufsatz (440 000 Euro), eine Salzburger „Schöne Madonna“ um 1430 (240 000 Euro) sowie die kleine Madonna aus dem Umkreis des Schwaben Hans Multscher (185 000 Euro) hervor.

Wer Alltagstaugliches sucht, wird unter den bezaubernden Schmuckstücken von Almut Wager (München) fündig oder bei der Berliner Silberspezialistin Sigrid Kleihues. Die Gretchenfrage des Antiquitätenhandels, was junge Sammler mit alter Kunst anfangen sollen, beantwortet diese feine Messe mit dem Versprechen höchster Qualität.

Automobil Forum, Unter den Linden 21, bis 19. November.

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