HOMMAGE„Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker“ : Die wandelnde Karikatur

Nicola Kuhn

Mag der bayerische Komiker und Kabarettist vor genau 60 Jahren verarmt und von vielen seiner Zeitgenossen so gut wie vergessen gestorben sein, so blieb doch eines von Karl Valentin bis heute in Erinnerung: seine exzentrische Physiognomie. Durch eng anliegende Kleidung betonte er noch seine spindeldürre Statur. Durch eine künstlich verlängerte Nase und verdrehte Beine baute er sich als „lebende Karikatur“ zum Markenzeichen aus. Damit das Bild dieses einst populären Unterhaltungskünstlers wieder lebendig wird, der durch surreale Sprachspiele und filmische Experimentierlust rückblickend als Avantgardist gilt, zeigt der Martin-Gropius-Bau eine über 300 Exponate umfassende Ausstellung, die dem „Filmpionier und Medienhandwerker“ gewidmet ist. Fotos, Briefe, Zeichnungen, Plakate, Lichtbilder, Schallplatten und Filme lassen den Kosmos Valentins wiedererstehen, zu dem wesentlich Liesl Karlstadt (Foto: links) als seine Bühnenpartnerin gehört.

Mehr noch als der Bühne galt Valentins Liebe dem Film, wo er sich nach Herzenslust ausprobieren konnte und in Deutschland sogar zu den ersten Tonfilm-Produzenten gehörte. Über 30 Filme entstanden zwischen 1912 und 1937, die auch seinen eigenen Lebenslauf reflektieren. In „Valentins Hochzeit“ (1929) gibt er einen Dandy mit Strohhut. In dem wegen „Elendstendenzen“ von den Nazis verbotenen Film „Die Erbschaft“ (1936) spielt er einen arbeitslosen Lumpensammler. Sein schwarzer Humor wurde auch nach dem Krieg nicht recht gemocht. Mit zeitlichem Abstand aber lacht das Publikum wieder und würdigt die Leistung des großen Exzentrikers. Nicola Kuhn

Martin-Gropius-Bau, Fr 25. 1. bis Mo 21. 4.,

Mi-Mo 10-20 Uhr, 4 €, erm. 3 €

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