• Homo-Ehe: Scheiden ist schwer. Warum die Lebenspartnerschaft Vorbild für alle Paare sein könnte

Kultur : Homo-Ehe: Scheiden ist schwer. Warum die Lebenspartnerschaft Vorbild für alle Paare sein könnte

Jost Müller-Neuhof

"Ehe light" - unter dem diätischen Stichwort wird immer wieder eine Alternative zur herkömmlichen Ehe diskutiert, wie sie am Mittwoch vom Verfassungsgericht vorläufig gebilligt wurde: die Lebenspartnerschaft. Sie einzuklagen könnte nach den Homosexuellen allerdings auch Heterosexuellen gelingen. Schließlich könnten sie es sein, die jetzt zu Unrecht diskriminiert werden, weil ihnen die neue Partnerschaft verschlossen bleibt. Wird die Homo-Ehe damit zum Trojanischen Pferd für neue bürgerlich-rechtliche Lebensgemeinschaften?

Zum Thema Online-Umfrage: Spiegelt das Ja zur Homo-Ehe die Stimmung in der Bevölkerung wider? Verfassungsrechtlich steht davor die Frage, ob partnerwillige Heterosexuelle nicht zwingend auf die ohnehin privilegierte Ehe verwiesen werden können. Und daneben ist unsicher, ob überhaupt jemand klagen will. Denn ein wesentlicher Köder fehlt der Lebenspartnerschaft bislang: steuerlicher Anreiz. Justizexperten wie der frühere Bundesanwalt Manfred Bruns, selbst ein bekennender Schwuler, glauben deshalb nicht an künftigen Streit vor Gericht.

Fortschritt durch Scheidung

Dass sich jedoch auch heterosexuelle Paare neue gesetzliche Institute für ihr Zusammenleben wünschen, beweist das Beispiel Frankreich (siehe Artikel links unten). Auch in Deutschland zeigen Studien, dass der Wunsch nach geregelter Gemeinschaft groß ist, sie aber nicht Ehe heißen muss. Außerdem: Seit es die Ehe gibt, wurden ihre Regeln gesprengt, sobald sie den Menschen zur Fessel wurden. Ein Beispiel ist das alte Rom. Dort war die Frau vollständig in der Hand des Mannes, weshalb dies auch Manus-Ehe genannt wurde. Nur dem Mann stand das Recht zu, sie aufzulösen. Weil man diesen Zustand als untragbar empfand, entwickelte sich daneben eine formlose Ehe, die Frauen ein Scheidungsrecht einräumte. Sie ersetzte die Manus-Ehe fast vollständig.

Mit dem römischen Manus-Prinzip hat die Ehe nach dem deutschen bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zwar wenig gemein, aber eines ist geblieben: die Scheidung als Problem. Die BGB-Ehe bindet Paare oft fester aneinander, als ihnen lieb ist. Wenn Scheidungen nicht fast ebenso harmonisch verlaufen wie die Heirat, geraten sie nicht nur leicht für die Kinder zum traumatischen Erlebnis, sondern auch für die ehemaligen Partner. Zudem ist Scheidung Alltag. Zwischen 1960 und 1995 ist die Zahl geschiedener Ehen von 8,5 Prozent auf 39,5 Prozent heraufgeschnellt, seitdem gilt: Ungefähr jede dritte Ehe geht auseinander.

Weil sie um die Endlichkeit der Ehe wissen und die folgenreiche und teure Scheidung scheuen, ziehen etliche Paare heute die "eheähnliche Gemeinschaft" der Ehe vor. Das moderne Konkubinat hat zwar den Segen des Verfassungsgerichts, begründet aber sonst nur wenige Pflichten und noch weniger Rechte. Vor allem junge Väter müssen das schmerzlich erfahren, wenn die Verbindung in die Brüche geht.

Abschied von der "Keimzelle"?

Will der Gesetzgeber hieran etwas ändern, sind ihm Grenzen gesetzt. Die wichtigste ist der Artikel 6 des Grundgesetzes, der Schutz von Ehe und Familie, der auch das endgültige Schicksal des Lebenspartnerschaftsgesetzes besiegeln wird. Die Ehe ist rechtlich ausschließlich die Verbindung von Mann und Frau. Sie wird nur deshalb mit so vielen Privilegien verbunden, weil sie die "Keimzelle" einer Familie und dies die "Keimzelle" des Staates ist, wie es in den verfassungsrechtlichen Kommentaren heißt. Daraus resultiert ein "Abstandsgebot", dass andere Formen des Zusammenlebens nicht gleichgestellt werden dürfen. Über Logik und Widersprüche dieser Feststellungen könnte eines Tages noch heftiger gestritten werden als um die Homo-Ehe - wenn für neue Formen des Zusammenlebens eine Verfassungsänderung nötig wird.

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