Kultur : "Honolulu": Abgefahren

Christian Schröder

Ein Männergespräch, morgens um sieben, der Tag beginnt gerade zu grauen. "Die erste Frau, der ich einen Zungenkuss gegeben habe, war schon über 30." - "Deine Mutter?" - "Nee, das war in Schweden." - "Auf alten Pfannen lernt man braten." Ziemlich fertig sehen die beiden Lederjacken-Typen aus, die da im Nirgendwo zwischen Stadt und Land in diesem Bushäuschen stehen. Das Punkkonzert, auf dem sie sich betrunken haben, ist längst vorbei. Der letzte Bus ist ihnen vor der Nase weggefahren. Jetzt kippen sie Dosenbier. Reden über Frauen. Gehen kurz mal pinkeln. Dösen weg. Und warten. Sie warten verdammt lange. Wie Wladimir und Estragon bei Beckett. Wenn dann endlich der Bus kommt, hat der nächste Tag schon begonnen. Und der Film ist vorbei.

Pattex (Stefan Maaß) und Horst (Jochen Nickel) sind die traurigen Clowns, die den Film "Honolulu" zusammenhalten. Da komme, was wolle, sie bleiben auf jeden Fall in ihrem Bushäuschen stehen. Der Film kurvt gewissermaßen um sie herum. Omnibus ist lateinisch und heißt "für alle". Ein Omnibusfilm funktioniert wie eine WG. Es gibt mehrere Regisseure, und jeder hat genausoviel zu sagen. "Honolulu", inszeniert von sieben Absolventen der Münchener Filmhochschule, ist wahrscheinlich der erste Omnibusfilm, der sein Genre wörtlich nimmt: Alle Episoden haben etwas mit Busfahren zu tun.

Marek (Daniel Brühl), Wachmann auf dem Busbahnhof gabelt ein Mädchen (Chira Schoras) auf, das nur mal eben schnell bei ihm auf die Toilette möchte. Er nimmt sie mit, und daraus wird dann eine krampfig-komische Liebesnacht, die Viktor, Mareks Goldfisch, mit dem Leben bezahlt. - Rita (Anna Thalbach) isst Kartoffelchips im Bus und liest die Zeitschrift "Hochzeitsplaner". Sie will den Mann ihres Lebens treffen, den sie bislang nur aus einer Annonce kennt. Erst einmal trifft sie aber bloß Ewald (Markus Knüfken), einen Taugenichts, der aus der Psychiatrie abgehauen ist. - Laura (Shira Fleisher) und Giula (Mina Tander) stopfen ihre BHs aus, weil sie in dieser Nacht noch was erleben wollen. Statt auf den Bus zu warten, steigen sie in den Sportwagen von Dominik (Markus von Lingen) und Kiki (Steffen Wink), zwei Typen, die sich für unwiderstehlich halten. Es aber nicht sind.

Manchmal reicht ein Gesicht, um die Episode zu retten. Das Gesicht von Julia Hummer zum Beispiel, bekannt aus "Innere Sicherheit". Sie klettert nachts in ein Freibad, um ihren Liebeskummer zu vergessen. Vor Kälte zitternd steht sie auf dem Sprungturm, und ein Blick in ihr verheultes Gesicht reicht aus, um zu wissen, was das ist: Liebeskummer. Uschi Ferstl, Saskia Jell, Beryl Schennen, Sandra Schmidt-Podmore, Matthias Lehmann ("Doppelpack"), Vanessa Jopp ("Vergiss Amerika") und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger haben "Honolulu" gedreht. Man ist gerne ein Stückchen mit ihnen mitgefahren.

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