Kultur : Hosianna!

Masaaki Suzuki debütiert beim DSO.

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Wer wirklich an eine universelle Wirkungsmacht der Musik glaubt, will sie mit möglichst vielen teilen. Masaaki Suzuki gründete vor gut 20 Jahren das Bach Collegium Japan und führte es mit unbeirrbarem Enthusiasmus zu einem staunenswert erfüllten Musizieren. Doch der milde Lehrer mit dem elegant wippenden Silberschopf gibt sich nicht damit zufrieden, im Elfenbeinturm den Konzertsaal für Spezialensembles zu bespielen. Suzuki versucht mit seiner feinsinnigen Rhetorik auch moderne Orchester anzuregen – und debütiert mit einem Weihnachtsprogramm nun beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO).

Um Bachs Kantate „Christen, ätzet diesen Tag“ gruppiert er dabei dessen erste Orchestersuite sowie Mozarts c-Moll- Messe. Ein beziehungsreiches Spiel zwischen festlicher Prachtentfaltung und Mozarts Studien der „alten Musik“ von Bach und Händel, die seiner größten, Fragment gebliebenen Messe eine schimmernde Tiefe verleihen. Schon bei der eröffnenden Orchestersuite beweist das DSO mit elegant gerundetem Klangbild seine besondere Klasse, wenn es darum geht, unterschiedlichste Stile schlüssig zu intonieren. Die Solisten Thomas Hecker (Oboe) und Jörg Petersen (Fagott) seien da nur stellvertretend für das hochmotivierte Ensemble genannt.

Dass Bachs Tanzfolgen transzendentales Parkett bevorzugen, daran lässt Suzukis Dirigat keinen Zweifel. Irdische Unzulänglichkeiten hingegen plagen seine Solistenschar, aus der an diesem Abend in der Philharmonie kaum ein passender Ton dringen will. Doch das kann man verkraften, wenn man den Rias-Kammerchor zur Seite hat, Dutzende Solisten, die mit einer machtvollen Stimme singen. Gemeinsam steigern sie Mozarts Messe zu bewegender Dringlichkeit. Gott ist Mensch geworden. Ulrich Amling

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