Hot Chocolate-Sänger Errol Brown gestorben : Der Himmel wartet auf der Rückbank

Hot Chocolate gehörten mit Disco-Hits wie „So You Win Again", „You Sexy Thing“ und „Everyone’s a Winner“ zu den erfolgreichsten Bands der siebziger Jahre. Jetzt ist der glatzköpfige Sänger Errol Brown gestorben. Er wurde 71 Jahre alt.

Christian Schröder

Seine Beine stecken in gestreifter Seide, der Oberkörper in einem Piratenhemd. Selbstverständlich baumelt am Hals ein Goldkettchen. Er tanzt sehr lässig, mit unablässig kreisender Hüfte. Und er lächelt, lächelt, lächelt. Verlierer sehen anders aus. Doch genau davon singt Errol Brown: Dass er ein Loser, ein Idiot und Volltrottel sei, weil er die Frau, die er liebt, gehen ließ. „Now I’m the one who’s crying / I’m a fool there’s no denying“, lautet die zerknirschte Selbstanklage in „So You Win Again“, dem Hit seiner Band Hot Chocolate aus dem Jahr 1977. Geschrieben hatte den Song der britische Artrockmusiker Russ Ballard, der mit "So You Win Again" die Tradition des Countryheulers "You Win Again" von Hank Williams fortsetzte. Verlassenwerden heißt für das singende Ich dieser Lieder: kleinlaut sich selbst in Frage zu stellen.

Der Schmerz und das Leid, den eine Soulhymne transportieren kann, kam bei Hot Chocolate nur in Spurenelementen vor. Dafür war die im Londoner Stadtteil Brixton von schwarzen und weißen Musikern gegründete Gruppe wahnsinnig erfolgreich. Sie unterschrieben 1969 einen Vertrag beim Beatles-Label Apple, coverten "Give Peace A Chance" von der Plastic Ono Band, lieferten Songs für Mary Hopkins und Herman’s Hermit und schafften 1974 mit „Emma“ den Durchbruch, einer sentimentalen Ballade über eine Nachwuchsschauspielerin, die sich umbringt. Es war die Zeit, in der auch Conny Kramer starb. Weitere Hits wie „You Sexy Thing“, „Heaven Is in the Back Seat of My Cadillac", "Put Your Love In Me“ und „Everyone’s a Winner“ folgten.

Die siebziger Jahre, als aus Funk und Soul Disco wurde, waren ihr Jahrzehnt. Neben Diana Ross und Elvis Presley waren Hot Chocolate der einzige Act, der damals in jedem Jahr Charts-Erfolge in Großbritannien verzeichnen konnte. 1981 spielten sie auf der Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana. Errol Brown, der Sänger mit dem markanten, billardkugelartig spiegelnden Glatzkopf, verließ die Gruppe 1985, trat fortan allein auf, veröffentlichte 1985 sein Solodebüt "That's How Love Is" und arbeitete unter anderem ohne größeren Erfolg mit dem Produzenten Dieter Bohlen. Brown, der aus Kingston, Jamaica, stammte und auch ein großartiger Reggae-Interpret war, ist am Mittwoch an den Folgen eines Leberkrebs-Leidens auf den Bahamas gestorben. Er wurde 71 Jahre alt.

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