Kultur : Huala lepo! oder: Handke droht, sein Stück zu stoppen

Peter Handke, dessen jüngste Äußerungen zu Serbien, zum Holocaust und zum Kosovo-Konflikt wegen seiner kriegerisch-polemischen Töne diskutiert werden (vgl.Tsp.14.3.) hat sich jetzt in einem Offenen Brief zu Wort gemeldet.In seiner hier leicht gekürzt wiedergegebenen Medienschelte spricht er insbesondere die österreichische Wochenzeitung "Format" an, die u.a.aus Handkes derzeit von Claus Peymann am Wiener Burgtheater probiertem neuen "Stück zum Film vom Krieg" ohne Genehmigung zitiert hatte.

In letzter Zeit hat mir dieser und jener wohlmeinende Freund einige der Artikel zukommen lassen, die sich mit meinem Gespräch im jugoslawischen Fernsehen, am 18.Februar 1999 in Rambouillet befassen.Bei dem einen journalistischen Musterexemplar heißt es, Peter Handke habe seine Äußerungen nur getan, um Reklame für das Drama zu machen.(...) Sein Highlight (Fremdwort!) aber hat solches Knotenschnüren zwischen meinen TV-Sätzen und der im Anfangsstadium befindlichen Probenarbeit zu dem Stück jüngst bekommen, indem wieder ein anderer Grandseigneur des modernen Journalismus fordert, das Stück abzusetzen von der "Bühne der Republik" - Grund: P.H.sei nicht bloß ein "Geschichtsfälscher", sondern würdige auch noch "die Ermordung von sechs Millionen Menschen" (= Juden) herab.Hut ab (oder Mütze) meinerseits für solch exemplarischen heutigen Zeitungsschreiberstreich, der Spruchbemächtigung und der Wortvergewaltigung.In demselben neualtdeutschen und neueuropäischen Wochenblatt stand drei Wochen zuvor ein als Interview mit P.H.ausgegebenes, heimlich aufgenommenes Telefongespräch, standen zwei Wochen zuvor ausführliche Auszüge aus meinem Stück, illegal abgedruckt, gestohlen.(...) Journalisten, macht mit mir, wie es euch gefällt; schreibt oder sagt meinethalben sogar, daß P.H.sich "die Birne weichgesoffen" hat: daß nur noch der Psychiater hilft - daß sein Stiefvater "ein Trinker" war - daß seine Mutter eine Selbstmörderin war - daß seine dreißigjährige Tochter hinkt - daß seine achtjährige Tochter schielt (oder umgekehrt): aber laßt das Stück - laßt vor allem die Schauspieler in Frieden, ab sofort und bis nach der Premiere! Anders wird, von mir aus, Das Stück zum Film vom Krieg auf der Bühne vorerst nicht stattfinden.(...) Was die Journalisten zusammenschnüren, das ist kein In-Frage-Stellen, vielmehr Abschaffensdrang.Laßt den Regisseur und die Schauspieler ab sofort in Ruhe, und in Unruhe!, tüfteln, suchen, spielen, mit anderen Worten: Kunst machen, mit anderen Worten, ewig entgegengehen; Gracias! Merci en avance.Huala lepo.Danke! Faleminderit shumë! (- "vielen Dank" auf albanisch).

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