Kultur : Hübscher Hüseyin

Daniela Sannwald

"Als der Prinz der Prinzessin sein Lied darbrachte, sprangen die unzähligen Knöpfe ihres langen Kleides von selbst auf ...", der Geschichtenerzähler macht eine Kunstpause; die jungen Mädchen kichern, die Männer grinsen kennerhaft. Und dann das Ende der Erzählung: "... er spielte weiter, und die Knöpfe des Kleides gingen wieder zu."

Unter den Zuhörern ist die zwölfjährige Esma aus der anatolischen Stadt Malatya, die zur Strafe für ihr schlechtes Zeugnis zu Verwandten aufs Land geschickt wurde. Dort soll sie lernen, was sich für ein junges Mädchen gehört. Esma trifft aber auch ihre Lieblingstante Saliha wieder, eine attraktive Witwe in den Dreißigern, die ganz andere Ansichten vertritt als die anderen Frauen.

Ein Spiel unterschiedlichster Einflüsse: Esma beginnt ihre Ferien als draufgängerisches Kind mit schmutzigen Knien. Plötzlich aber darf sie nicht mehr allein durchs Dorf streifen und auch nicht mit Jungen sprechen. Andererseits weiht Saliha sie in ihre Geheimnisse ein und erzählt von der großen Liebe, die alles andere vergessen macht. Wenig später verliebt sich auch Esma zum ersten Mal - in Hüseyin (hübsch und nett: "Kanak-Attack"-Star Luk Piyes) aus dem Nachbardorf.

"Sommerliebe" spielt in den frühen siebziger Jahren, lange vor dem Bürgerkrieg, der mit dem Militärputsch von 1980 brutal beendet wurde. Die Landschaft erscheint als Paradies, in dem liebenswerte Traditionen gepflegt werden. In den Dörfern wohnen mehrere Generationen unter einem Dach, und alle arbeiten hart, um ihren bescheidenen Wohlstand zu erhalten.

Aber Erwachsenwerden ist überall schwer, und gerade die Idylle ist anfällig für Störungen. Davon erzählt Baris Pirhasan, der als Assistent von Atif Yilmaz, dem Altmeister des türkischen Autorenfilms, gelernt hat. Sein Film bewegt sich ästhetisch dicht an der Grenze zum Kitsch - aber dadurch wirkt seine sanft kritische Tönung umso eindringlicher.

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