Kultur : Hüpfen, schweben, lachen

Das 60. Filmfest Cannes eröffnet heute Abend

Jan Schulz-Ojala

Das Ansinnen war, sogar für Cannes-Verhältnisse, eher abseitig. Als der Magnum-Fotograf Alex Majoli beim letztjährigen Festival rund hundert Künstler mit der Bitte überraschte, sie mögen für ihn mal eben kräftig hüpfen (nur weise Kollegen wissen, dass im Sprung die Maske fällt), da ahnte noch niemand, wozu die Sache eines Tages gut sein würde. Ab heute wird das medial weltweit unübersehbar sein: Hüpfende Künstler, auch sonst sehr ernste, lachen. Und sie machen gute Laune. Neun sind es – Pedro Almodóvar, Juliette Binoche, Jane Campion, Souleymane Cissé, Penelope Cruz, Gérard Depardieu, Samuel L. Jackson, Bruce Willis und Wong Kar-wai –, die das Festivalplakat zum Jubiläum zieren, als lustiger Artistenturm, der auf einem wunderbar fragilen Fahrrad aus den Ziffern Sechs und Null balanciert. Sie hüpfen. Sie schweben. Ja, sie scheinen sogar zu fliegen.

Kein Wunder: Die Vorfreude auf Cannes ist diesmal immens. Die Macher haben ein Programm zusammengestellt, das das Beste des US-Starkinos mit dem Erlesensten des globalen Autorenfilms kombiniert. Neue Filme von David Fincher, den Coen-Brüdern, Gus van Sant und Quentin Tarantino buhlen um die Gunst der Jury rund um Stephen Frears. Und wenn die verflixten Easyjets nicht schon erfunden wären, würden wahre Cineasten auch auf Knien ins Mekka des Films pilgern – nur um als Erste die Wettbewerbswerke von Béla Tarr, Kim Ki-duk oder Carlos Reygadas zu sehen.

Den Anfang macht heute mit Wong Kar-wai ein Großmeister jener Traumbildner, wenn er in „My Blueberry Nights“ die Jazzsängerin Norah Jones auf einen Roadmovie-Liebestrip durch Amerika schickt. Fatih Akin, mit seinem „Auf der anderen Seite“ nächste Woche an der Reihe, will den Wettbewerb mit einem zarten türkisch-deutschen Melodram aufmischen. Vorfreude überhaupt teutonischerseits: Mit Filmen von Volker Schlöndorff, Robert Thalheim, Jan Bonny und Nicolas Wackerbarth sind die Deutschen in allerlei Reihen komplett wie lange nicht mehr.

Und die Stars? Besser man nennt die versprengten Wegbleibenden, dann ist man schneller fertig. Mit Alain Delon wiederum, letzte Gute-Laune-Meldung, hat sogar ein Rekord-Schmoller seinen Cannes-Boykott beendet – schließlich hatte man einst versäumt, den nationalen Großpromi zum 50. Festivalgeburtstag einzuladen. Ob auch Delon heute ein Lächeln für das Riesenplakat erübrigt, selbst wenn er selber darauf fehlt?

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