Kultur : Hüte dich vor der Schlange

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Der Organist und Chorleiter Peter Schwarz hat eine besondere Beziehung zum Schaffen von Paul Hindemith.Für Schwarz steht weniger die Frage im Vordergrund, "wie die Musik Hindemiths im Kontext der Musik unseres zu Ende gehenden Jahrhunderts verweilt, sondern die eher philosophische, beinahe ins Theologische hinübergreifende Überlegung, wie seine Musik als Teil unserer Lebenswirklichkeit zu begreifen ist." Die Verzahnung von Kunst und Leben war eines der Hauptthemen Hindemiths.

Es spiegelt sich auch in der Faktur vieler seiner Werke wider, zum Beispiel in der Kantate für gemischten Chor und Blechbläser "Apparebit repentina dies" aus dem Jahre 1947.An Tücken im Detail reich, ist sie doch gut realisierbar: Hier zeigte sich die Berliner Cappella von ihrer besten Seite, stellte die apokalyptischen Bilder der lateinischen Dichtung in den Vordergrund.Ganz lapidar und damit um so eindringlicher erklang am Ende die choralartig vorgetragene moralische Sentenz: "Hüte dich drum vor der List der Schlange".Die begleitenden Blechbläser des BSO drängten sich dabei niemals unangemessen in den Vordergrund.

Deutlich schwieriger ist Hindemiths Requiem "For those we love" (1946) für Soli, Chor und Orchester, dem eine Trauerode des amerikanischen Freiheitsdichters Walt Whitman auf den Tod des Präsidenten Abraham Lincoln zugrundeliegt.In kompositorisch komplexeren Partien wie der Nr.7 (Introduktion und Fuge) machte sich Konfusion auf dem Podium des Schauspielhauses breit, wurde die polyphone Textur unverständlich.Mit der Koordination von Chor und großem Orchester hatte Peter Schwarz sichtlich alle Hände voll zu tun.

Gabriele Näther sang mit voluminösem, dunkel gefärbtem Mezzo, artikulierte das Englische aber sehr undeutlich; Ralf Lukas gab der ausgedehnten Baritonpartie warmen Glanz, der mit der humanistischen Grundhaltung des Textes gut korrespondierte.

Die mystisch-pantheistische Botschaft des Werkes, das Hindemith als kompositorische Reaktion auf die Greuel des Zweiten Weltkrieges konzipierte, vermittelte sich aber trotz aller Schwierigkeiten doch: ein Memento gegen Krieg und Barberei, ein Hymnus auf Freiheit und Natur.

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